: Unikliniken am Ende
■ Motive der Vizepräsidentin für ihren Rücktritt
Die Vizepräsidentin für Medizin an der Freien Universität, Professorin Irene Guggenmoos-Holzmann, hat am vergangenen Freitag überraschend ihren Rücktritt erklärt. Die taz befragte sie nach ihren Motiven für diese Entscheidung.
Frau Guggenmoos-Holzmann, was hat Sie zu dem plötzlichen Rücktritt bewogen?
Guggenmoos-Holzmann: Die Sparvorgaben des Berliner Senats zu den Universitätsklinika. Sie sind indiskutabel, wenn man bedenkt, daß die Uniklinika schon in diesem Jahr mit Sparvorgaben und Zuschußkürzungen von 22 Millionen Mark konfrontiert wurden. Am Uniklinikum Rudolf Virchow können bereits jetzt keine Berufungen mehr durchgeführt werden, Grundausstattungen für Drittmittelprojekte werden nicht mehr genehmigt. Das Klinikum ist bereits jetzt am Ende. Die Auswirkungen zeigen sich in Krankenversorgung, Lehre und Forschung. Ein normaler Betrieb einer universitären Einrichtung ist nicht mehr möglich. Am Klinikum Steglitz ist die Lage nicht viel besser.
Was bedeuten die weiteren Sparvorgaben des Senats?
Im kommenden Jahr sollen an den drei Universitätsklinika weitere 50 Millionen eingespart werden. Das ist völlig unrealisierbar. Jede größere Abteilung hat einen Jahresbedarf bei Personal- und Sachausstattung von 1,8 Millionen. Sie können sich ausrechnen, wie viele Abteilungen zu schließen wären, wenn 50 Millionen gespart werden sollen. Hochschullehrer mit Berufungszusagen kann man aber auch nicht einfach vor die Tür setzen. Deshalb ist die ganze Strukturplanung unter diesen Rahmenbedingungen Quatsch.
Wie sieht die Zukunft der Unikliniken in Berlin jetzt aus?
Wenn die jetzigen Senatsvorgaben planmäßig umgesetzt werden, glaube ich nicht, daß die Kliniken überhaupt bestehen können. Sie können überhaupt keine geeignete Struktur entwickeln, sondern sind bereits am Ende, bevor sie überhaupt agieren können.
Sie stehen also nach wie vor zu ihrem Rücktritt?
Ja. Es ist wichtig, jetzt Position zu beziehen. Es muß klargestellt werden, daß man zuerst denken muß, bevor man handelt, und nicht umgekehrt. Bestimmte Strukturüberlegungen kann man nicht unter der Vorgabe von finanziellen Rahmenbedingungen machen. Im übrigen befinde ich mich mit meiner Einstellung in großer Nähe zur Stellungnahme des Medizin-Gutachters der Landeshochschulstrukturkommission, Prof. Kochsiek. Interview: Jeannette Goddar
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