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Und noch einmal Rostock

■ Betrachtungen ganz anderer Art?

Betrachtungen ganz anderer Art?

Die Schreckensbilder der gewalttätigen Ausschreitungen gegen die in Rostock untergebrachten AsylbewerberInnen vor Augen, war uns klar, daß wir an der Gegendemonstration am Samstag teilnehmen mußten. Wir hofften, möglichst viele Menschen dort anzutreffen, die ein deutliches Zeichen gegen die Pogrome setzen wollten.

Aber was für ein Bild bot sich uns: Nicht nur die an den Bedürfnissen der Menschen vorbeigeplanten Plattenbauwohnblocks erschreckten uns, sondern auch die Atmosphäre, die am Versammlungsort vor dem Wohnheim herrschte. Weshalb nur so viele, die trotz der herrschenden Hitze ihre Gesichter vermummt und ihre Häupter mit Kapuzen verhüllt hatten? Warum die martialisch-bedrohliche Aufmachung einiger? Am Rande — auch das sei nicht verschwiegen — eng aneinandergedrückt mehrere Polizisten in voller Rüstung.

Empörung auch bei uns, als die Demonstrationsleitung von schikanösen Kontrollen der noch zu erwartenden Busse aus Hamburg und Berlin berichtete, Wut und Unverständnis gar, als es hieß, der S-Bahn-Verkehr von Rostock sei eingestellt. Klar, es paßte ins Bild: diese Demonstration sollte offensichtlich nach Kräften behindert werden.

Dann allerdings wurden wir nach und nach anderen Sinnes. Sprach doch die Demoleitung von „nur wegen eines Steinchens“ festgehaltenen Demonstranten. Drohte sie doch damit, „für den friedlichen Verlauf der Demonstration nicht mehr garantieren zu können“ — unter den zustimmenden Rufen vieler DemonstrantInnen. Und immer wieder das Beschimpfen der „Bullen“ per Mikro, wie um die aggressive Stimmung noch weiter anzuheizen. Wo blieben die Aufrufe, sich — trotz der vergangenen schweren Fehler der Polizei — friedlich zu verhalten, sich nicht provozieren zu lassen? Läge das nicht in der Verantwortung der Leitenden?

Was wir absurderweise nicht zu hören bekamen, waren Worte zum „Thema“, zu dem, weshalb wir angereist waren... Ja, worum ging es hier eigentlich? Plötzlich schienen uns die Unterschiede zwischen gewaltbereiten „Rechten“ und den „Linken“ gar nicht mehr so groß zu sein: Waren nicht beide Seiten bemüht, ihre Feindbilder aufrechtzuerhalten (Ausländer — Polizei), auf die es dann loszuschlagen gilt? Stand die Sache überhaupt noch im Vordergrund? Es scheint schon längst ein Teufelskreis entstanden zu sein, dem wir alle schleunigst entrinnen sollten.

[...] Worum wir uns alle immer wieder bemühen müssen, ist wohl eines der schwersten Dinge überhaupt: nämlich den Dialog zu suchen, immer wieder, auch mit der „Gegenseite“, auch — und besonders — mit gewalttätigen „rechten“ Jugendlichen. Womöglich sind die Probleme viel komplexer, als es Begriffe wie „Faschogruppen“, „Autonome“, „Linke“ suggerieren. Vielleicht spielen Alleingelassensein, Frust, Desorientierung, Zukunftsangst, Schul-/Ausbildungsdruck, Wohnsituationen, die häufig unmenschlichen Gesichter der Städte und vieles andere mehr eine größere Rolle als tatsächliche extreme politische Gesinnungen, die — in der Gruppe ausgeübt — eine Weile so etwas wie Aufgehobensein vermitteln. [...] Patricia Hutsch, Lehrerin

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