: Unchristlich langweilig
Babybischöfe müssen Kurs in Rom besuchen
„Jüngster Bischof stößt bei seinen Amtsbrüdern auf Mitleid“, ließ die katholische Offenbarungsagentur KNA gestern urbi und orbi wissen. Der überaus kindliche Kleriker Martin Marahrens bekleidet mit zarten 49 Jahren nämlich schon das Amt eines Weihbischhofs von Hildesheim mit allen Troddeln und Quasten. Mitgefühl rief bei den Silberrücken der Bischofskonferenz aber vor allem die Tatsache hervor, dass ihr quasi minderjähriger Kollege „jetzt auch sofort das Bistum“ leiten muss – und zwar als „Diözesanadministrator“. Das klingt wirklich furchtbar erwachsen und geradezu unchristlich langweilig. Einst wurde Backfischbischöfen eine „Herumspringa“-Phase von einigen Dekaden eingeräumt, in der sie Wunder tun, Bankerte zeugen oder sich ein schickes Martyrium zulegen durften. Gegen diese hedonistische Amtsauslegung empörte sich aber im 15. Jahrhundert der tschechische Reformer Jan Hus. Zwar wurde der böhmische Bruder umgehend verbrannt, doch seither müssen sich Bischöfe wenigstens zu Weihnachten in der Kirche blicken lassen. In ihrer theologischen Pubertät müssen die Buben außerdem einen „Kurs für Nachwuchsbischöfe“ in Rom besuchen, den auch das Klerikerküken Marahrens absolviert hat – dann hoffentlich mit der Bestnote „papabile“.
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