■ Unbelehrbare Eltern: Kleidung hat nichts mit Sex zu tun!: Tragen, was gefällt
Als Tochter von Algeriern, die in Frankreich leben, hat man es mit der Kleidung nicht leicht. Solange ich bei meinen Eltern wohnte, mußte ich Hosen oder lange Röcke tragen, Schwarz oder Dekolletés gab es nicht. Da hieß es: Das macht man nicht, so was zeigt man nur seinem Ehemann. Mit kurzen Röcken will man Männer aufreißen, da ist man gleich als leichtes Mädchen abgestempelt. Meine Mutter zieht sich algerisch an, mit Kleidern, die bis unters Knie reichen. Ich hingegen meine, daß Klamotten nichts mit Sexualität zu tun haben. Allerdings, solange man bei seinen Eltern wohnt, kann man sich das nicht aussuchen. Wir haben Debatten vermieden: Meine Generation ist unvorsichtig, aber nicht mutig. Ich bin weggezogen von meinen Eltern, weil es zu schwierig war. Jetzt ziehe ich an, was ich will. Radfahrerhosen und Schiebermütze oder ganz kurze Röcke, oder knöchellange Kleider.
Ich bezeichne mich als Algerierin französischer Herkunft. Ich bin in Frankreich geboren und aufgewachsen, in Algerien war ich nie. Das Identitätsproblem stellt sich deshalb für mich nicht wirklich. Ich habe nie das Gefühl gehabt, durch die Kleidung etwa die Französinnen nachzumachen. Wir kaufen die Klamotten ja alle in denselben Läden. Und ich war es einfach gewöhnt, mich so anzuziehen, wie ich es jetzt tue. In meiner Familie wurde nie gefordert, Kopftücher und Schleier zu tragen, wie das in vielen anderen algerischen Familien der Fall ist. Ich sehe, daß es immer mehr Frauen gibt, die sich verhüllen, man sieht sie in der Metro und auf der Straße und im Fernsehen. Aber das geht mich nichts an. Ich fühle mich auch nicht bedroht dadurch. Die Leute sollen tun, was sie wollen, solange sie mich nicht zwingen, das nachzumachen. Ich finde, jeder sollte anziehen, womit er sich wohl fühlt, der Rest ist mir völlig egal. Wenn mich die Männer nur anschauen, habe ich nichts dagegen, schließlich sind die Augen zum Schauen da. Aber nur, solange man mich nicht anfaßt. Farida
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen