: Unbekanntes bekanntmachen
■ betr.: "Psst weitersagen", taz vom 5.4.93
betr.: „Psst weitersagen“,
taz vom 5.4.93
Die Ausstellung „Juden im Widerstand. Drei Gruppen zwischen Überlebenskampf und politischer Aktion. Berlin 1939 bis 1945“ soll an drei Berliner Beispielen zeigen, wie unwahrscheinlich es unter den besonderen Bedingungen in Deutschland war, daß Juden Widerstand leisteten, und daß es dennoch solchen Widerstand gab. Dabei soll Unbekanntes bekanntgemacht, aber auch Bekanntes richtiggestellt werden.
„Bekannt“ ist vor allem die Geschichte der Gruppe Herbert Baum: Hier sind Legenden im Umlauf, die Formen und Dimensionen ihrer Widerstandstätigkeit betreffen; und diesen soll in der Ausstellung widersprochen werden. Daher ist es schade, daß Anita Kugler hier so wenig genau hingesehen hat.
– Der politische Freundeskreis um Herbert Baum, der im Herbst 1941 siebzehn Personen zählte, war wesentlich ein Zusammenschluß von Menschen, die als Juden verfolgt wurden – gerade kein Zusammenschluß von Juden und Nichtjuden, wie Anita Kugler schreibt. Die beiden nichtjüdischen Frauen, die zum Kern der Gruppe gehörten, hatten enge freundschaftliche Beziehungen zu Mitgliedern der Gruppe.
– 1940–1942 stand die Gruppe mit Freundeskreisen junger Berliner Juden in Verbindung. Die Zahl der Mitglieder dieser Zirkel mit „über hundert“ anzugeben, ist viel zu hoch gegriffen. Auf eine Zahl dieser Größenordnung kommt man, wenn man alle Jugendlichen hineinrechnet, mit denen Mitglieder des politischen Freundeskreises um Herbert Baum während der legalen Zeit der jüdischen Jugendbewegung (bis zum November 1938) in Kontakt gestanden hatten.
– Dazu, daß die Gruppe „untertauchte“, kam es nicht mehr. Die ersten Verhaftungen betrafen Mitglieder des Kerns der Gruppe um Herbert Baum. Diese waren mit wenigen Ausnahmen typischerweise älter als 20 Jahre: Herbert Baum und die meisten seiner engsten politischen Freunde waren zum Zeitpunkt des Brandanschlages auf die Ausstellung „Das Sowjetparadies“ schon lange keine Jugendlichen mehr. Jugendliche aus den assoziierten Freundeskreisen wurden später in die Verhaftungen einbezogen. 18, nicht elf Mitglieder der Gruppe Baum und dieser Freundeskreise wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet. Herbert Baum selbst hatte die Polizeihaft nicht überlebt. [...]
Die Bereitschaft zum Widerstand gegen Vernichtungen und das, was sie möglich macht, kann sich an der Aufmerksamkeit gegenüber den Handlungen und Ansprüchen derer, die im Widerstand ermordet wurden, stärken. Diese Aufmerksamkeit zeigt sich auch im Versuch, genau zu sein. Michael Kreutzer, Mitarbeiter
der Ausstellung „Juden
im Widerstand“
Umverteilung gegen rechts
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