Umweltbilanz von Hybrid-Autos: Nur selten elektrisch unterwegs

Meist läuft bei Plug-In-Hybriden der Verbrennungsmotor. Hersteller können so ihre Flottenbilanz auf Kosten der Umwelt schönen.

Ein Arbeiter in einem Autowerk

Hybrid-Autos, hier in der Produktion, sind weniger öko als es die Hersteller gerne hätten Foto: David tanecek/iamgo

FREIBURG taz | Elektrofahrzeuge vom Typ Plug-in-Hybrid werden hinsichtlich ihrer Umweltbilanz bislang zu positiv bewertet. Das ist das Ergebnis einer Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe und der gemeinnützigen Forschungsorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT).

Bei den Fahrzeugen handelt es sich um solche, die neben einem Elektromotor auch einen Verbrennungsmotor haben. Für die Umweltbilanz ist also entscheidend, in welchem Maße die Fahrer welchen Antrieb wählen. Genau das hat nun die Studie, die von der European Climate Foundation finanziert wurde, analysiert.

Die Untersuchung legt dar, dass der Anteil der elektrischen Fahrten in der Praxis deutlich geringer ist als in den Prüfzyklen angenommen. In Deutschland liege der mittlere elektrische Fahranteil von Privatfahrzeugen bei nur 43 Prozent, bei Dienstwagen sogar nur bei 18 Prozent. Im bislang gültigen Fahrzyklus ist ein elektrischer Fahranteil von 69 Prozent angenommen. Doch auch im neuen Zyklus ist die Diskrepanz ähnlich drastisch.

„Im Mittel fallen die realen Kraftstoffverbräuche und CO2-Emissionen von Plug-in-Hybridfahrzeugen bei privaten Haltern in Deutschland mehr als doppelt so hoch aus wie im offiziellen Testzyklus, während die Werte bei Dienstwagen sogar viermal so hoch sind“, sagt Patrick Plötz vom Fraunhofer-ISI. Die Analyse deckt sich mit früheren, weniger umfangreichen Auswertungen. Bereits im Frühjahr hatten der Bund für Umwelt und Naturschutz und der Verkehrsclub Deutschland die Plug-in-Hybride als „Spritfresser im grünen Mäntelchen“ bezeichnet.

Staatlich gefördert

Die neue Studie untersuchte das Fahrverhalten von weltweit mehr als 100.000 Nutzern. Die Daten wurden auch länderspezifisch ausgewertet; Deutschland war mit 1.385 Fahrzeugen vertreten. Das Ergebnis ist politisch brisant, weil in Deutschland auch Plug-in-Hybride mit dem Verweis auf ihren angeblichen Umweltvorteil staatlich gefördert werden.

Deutlich wird damit, wie unsinnig die ökologische Bewertung einer Technik sein kann, wenn man die Gewohnheiten der Nutzer nicht korrekt in die Betrachtung einbezieht. Die Wissenschaftler schlagen nun vor, dass auf nationaler Ebene bevorzugt solche Plug-in-Hybride gefördert werden sollten, die über eine hohe elektrische Reichweite und eine geringe verbrennungsmotorische Leistung verfügen. Anreize sollten auch „an den Nachweis von überwiegend elektrischer Nutzung im realen Betrieb gebunden sein“, was etwa mittels Daten aus Verbrauchsmessgeräten im Fahrzeug möglich sei.

Die EU, so die Autoren, solle zudem die CO2-Schwellenwerte für die Vergabe der sogenannten Supercredits senken. Mit dieser Regelung können Hersteller ihre besonders effi­zienten Fahrzeuge bei der Berechnung des Flottenverbrauchs doppelt anrechnen. So können sie mit den Hybriden ihre Umweltbilanz frisieren.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben