piwik no script img

Umstrittene Polizeiwache am KottiMie­te­r*in­nen nicht gefragt

Am 7. Oktober tagte bei Innensenatorin Iris Spranger ein Runder Tisch zur Kottiwache. Doch die Mie­te­r*in­nen­rä­te waren nicht eingeladen.

Aus Berlin

Peter Nowak

Die geplante Polizeiwache am Kottbuser Tor sorgt seit Monaten für Streit. Ein Runder Tisch, der am 7. Oktober bei der Senatsverwaltung für Inneres tagte, sollte eigentlich zu einer Versachlichung der Auseinandersetzung beitragen. Doch die Einladungspolitik der Senatsverwaltung sorgt für neuen Unmut. „Wir sind weder per Mail noch postalisch eingeladen worden“, erklärt Matthias Coers gegenüber der taz. Der Filmemacher wohnt im Neuen Kreuzberger Zentrum (NKZ) am Kotti und ist einer von acht gewählten Mie­te­r*in­nen­rä­ten. Die Mie­te­r*in­nen­rä­te sind Teil des Modellprojekts Kottbusser Tor für mehr Mitbestimmung der Bewohner*innen.

Besonders unverständlich findet Ratsmitglied Coers die Nichteinladung zum Runden Tisch, weil der Mie­te­r*in­nen­rat in den letzten Monaten mehrmals an Treffen teilgenommen hatte, bei denen es um die umstrittene Polizeiwache ging. Auch Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und Ver­tre­te­r*in­nen der Polizei seien dabei gewesen. Dort sei stets betont worden, wie sehr es auf die Einbindung der Be­woh­ne­r*in­nen ankomme.

Doch tatsächlich sei die Polizeiwache in dem brückenartigen Überbau über dem Kotti durchgesetzt worden, obwohl dieser Ort in der Nachbarschaft auf Ablehnung stößt, moniert Coers. „Viele Mie­te­r*in­nen wünschen sich eine Polizeipräsenz, aber nicht über den Köpfen der Menschen, sondern ebenerdig, auf Augenhöhe“, fasst Coers die Position eines Großteils der NKZ-Mieter*innen zusammen.

Ohne Kri­ti­ke­r*in­nen

Diese Position habe der Mie­te­r*in­nen­rat auch bei den Gesprächen mit Polizei und Politik vertreten. Coers hält es deshalb für kein gutes Zeichen, dass nun der Runde Tisch ohne die Kri­ti­ke­r*in­nen der Polizeiwache abgehalten wurde. Auch der Mie­te­­r*in­­nen­rat Südblock und die Nachbarschaftsinitiative Kotti und Co. seien nicht eingeladen worden.

Kritik an der Einladungspolitik kam auch von der Linken-Abgeordneten Elif Eralp, migrationspolitische Sprecherin ihrer Fraktion im Abgeordnetenhaus, sowie von der Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Clara Herrmann (Grüne): „Nur mit einem integrierten Ansatz, der die Einbindung der An­woh­ne­r*in­nen und zivilgesellschaftlichen Ak­teu­r*in­nen berücksichtigt, kann eine Polizeiwache am Kotti erfolgreich zur Verbesserung der Gesamtsituation beitragen“, sagt Herrmann.

Derweil geht die Debatte in der Zivilgesellschaft weiter. So diskutieren am 20. Oktober ab 19 Uhr So­zi­al­ar­bei­te­r*in­nen im Nachbarschaftsraum Aquarium über die Ausweitung sozialpolitischer statt polizeilicher Konzepte am Kotti.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • .... „Viele Mie­te­r*in­nen wünschen sich eine Polizeipräsenz, aber nicht über den Köpfen der Menschen, sondern ebenerdig, auf Augenhöhe“..



    Kann ich nachvollziehen.



    Sind nicht bald Neuwahlen in Berlin?



    .. Dort sei stets betont worden, wie sehr es auf die Einbindung der Be­woh­ne­r*in­nen ankomme...



    Druck aufbauen durch eine starke Wahleinbindung!



    Kotti



    www.deutschefototh...roluftbild_0126064