Umbau in Potsdam verzögert sich: Stadtbibliothek wird noch mal aufgeblättert

Der Umbau der Stadtbibliothek Potsdam verzögert sich bis mindestens 2012, sogar ein Abriss des DDR-Baus ist wieder denkbar. Nächste Woche werden Entwürfe für die Renovierung gezeigt.

Brandenburgs Landespolitiker erweisen sich beim Wiederaufbau der Potsdamer Innenstadt als Bremser statt als Motor der Stadtentwicklung. Bei der geplanten Sanierung der Stadt- und Landesbibliothek fordert das Finanzministerium, die Kosten für die Sanierung mit denen eines eventuellen Neubaus zu vergleichen. Damit verzögert sich der vorgesehene rund 10 Millionen Euro teure Umbau der Bibliothek - den das Land Brandenburg mit circa 6,5 Millionen Euro unterstützt - um mindestens ein Jahr bis 2012/2013.

Zudem könnte die vom Tisch geglaubte Abrissvariante wieder aufgelegt werden, die die Zukunft der Potsdamer Kultureinrichtung insgesamt gefährden würde. Baupolitiker, Bürgervereine und Preußenfans hatten mehrfach den Abriss der DDR-Altlast gefordert.

Der Anfang der 70er-Jahre errichtete Betonklotz gegenüber dem Platz der Einheit ist extrem sanierungsbedürftig. Die Potsdamer Stadtverordneten hatten sich im Dezember 2009 gegen den Willen der FDP-Fraktion und der einflussreichen Bürgerinitiative Mitteschön dennoch wiederholt für den Erhalt der Bibliothek und ihren zentralen Standort entschieden. Das DDR-Erbe soll zu einem "Marktplatz des Wissens" mit großem Foyer und Glasfassade für die Bibliothek und die Volkshochschule umgebaut werden.

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) warnte davor, die Forderungen des Landes als Absage an die Sanierung oder den Standort zu interpretieren. Ziel bleibe der Umbau und nicht ein Neubau der Bibliothek, fügte er hinzu.

Auch die Direktorin der Bibliothek, Marion Mattekat, betonte, dass aus ihrer Sicht "das Projekt weiter steht". Die Bibliothek, die jährlich rund 250.000 Besuchern hat, müsse als öffentliche Einrichtung in der Innenstadt erhalten bleiben. Sie sagte, dass das Ministerium den Kostenvergleich derzeit prüfe und es noch keine Entscheidung über die Fassadengestaltung gebe.

Dies dürfte aber entscheidend werden. Sollte die Landesregierung angesichts knapper Kassen zu der Überzeugung kommen, dass sie ein Neubau günstiger käme, wären der jetzige Bibliotheksstandort und der Erhalt des Gebäudes wieder in der Diskussion. Zugleich hat die Initiative Mitteschön angekündigt, ihren Kampf gegen die Bibliothek vor Ort wieder aufzunehmen, wenn ein zu moderner Umbau erfolgt. Barbara Kuster, Mitglied der Initiative, findet, dass eine "Glasfassade so nichtssagend, so ohne lokalen Bezug" sei.

Am 12. Februar sollen im Haus der brandenburgisch-preußischen Geschichte Entwürfe für die Außenhaut des Baus präsentiert werden. Barock werden die Pläne des Architekten Reiner Becker sicherlich nicht ausfallen. Doch genau solche Häuser gefallen vielen in Potsdam derzeit besser als moderne - zumal wenn diese noch aus SED-Zeiten stammen. ROLA

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