: USA und Vietnam
Baker spricht mit vietnamesischem Kollegen ■ Aus New York Rolf Paasch
25 Jahre nach dem Ende des Vietnamkrieges deutet sich nun eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Washington und Hanoi an. In einem „außergewöhnlichen Treffen“, so ein Sprecher des US- Aussenministeriums, kamen am Samstag im New Yorker Waldorf Astoria Hotel US-Außenminister James Baker und sein vietnamesischer Gegenüber Nguyen Co Thach zu einem 30minütigen Gespräch zusammen. Im Mittelpunkt des Meinungsaustausches standen die Fragen einer Friedenslösung für Kambodscha und einer Zusammenarbeit bei der Klärung des Schicksals der rund 2.300 im Vietnamkrieg verschollenen US-Soldaten (Missing in Action oder kurz M.I.A.S). Ein Sprecher des US- Außenministeriums betonte jedoch, daß dieses Treffen noch keine Normalisierung der Beziehungen darstelle, wohl aber einen Schritt in diese Richtung. Vor der möglichen Aufnahme diplomatischer Beziehungen wollen die USA mehr Klarheit über das Schicksal der vermißten US-Soldaten und eine Verifikation des vollständigen Abzugs vietnamesischer Truppen aus Kambodscha.
Seit dem Sieg der Nordvietnamesen über die von den USA unterstützte Regierung Südvietnams im Jahre 1975 hatten beide Länder keinerlei diplomatische Beziehungen unterhalten. Ein kurzer Annäherungsversuch unter der Carter-Administration war im Jahre 1978 durch den Einmarsch vietnamesischer Truppen in Kambodscha abrupt beendet worden.
Nguyen Co Thach, der ebenfalls Stellvertretender Premier seines Landes ist, versprach nun Außenminister Baker in New York, Vietnam werde alle seine Truppen und Berater aus Kambodscha abziehen und an einer friedlichen Lösung des Konfliktes mitarbeiten. Auch in der in den USA immer noch hochemotionalen Frage der M.I.A.S. kündigte er verstärkte Bemühungen seiner Regierung bei der Aufklärung der Soldatenschicksale an. Außenminister Baker hob im Gegenzug die Vietnamesen und Ngyen Co Thach geltenden Reisebeschränkungen auf, um ihm einen Besuch in Washington bei George Bushs Hanoi-Emissionär General John Vessey und beim Außenpolitischen Ausschuß des Kongresses zu ermöglichen. Im Falle einer erfolgreichen Lösung des Kambodscha- Konfliktes auf der Pariser Konferenz dürfte damit einer Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Vietnam nichts mehr im Wege stehen.
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