: Tierfrei? Manege frei!
KOMMENTAR
Tierfrei? Manege frei!
Um es vorweg zu sagen: Es geht nicht darum, den Zirkus zu diskreditieren, die Manege in den Verruf zu bringen. Zirkus ist und bleibt ein unverzichtbarer Bestandteil des kulturellen Angebots — gerade für Kinder. Doch auch die Kritik der Tierschützer ist ernstzunehmen, sollte nicht mit fadenscheinigen Argumenten weggewischt werden — nach dem Motto: Es würde den Tieren in ihrer Heimat nicht besser gehen. Oder: In der Steppe wären die Vierbeiner schon längst der Wilderei zum Opfer gefallen.
Auch in aufgeschlossenen Kreisen ist die harte Position der Tierschützer umstritten: Die einen meinen, artfremde Tierhaltung in Zoos und Zirkussen sei Tierquälerei. Andere halten dagegen, wir bräuchten exotische Tiere selbst in Gehegen, um unseren Sprößlingen frühzeitig die Tierwelt zeigen und ihnen einen Hauch von Tierschutz vermitteln zu können.
Die Wahrheit liegt vermutlich in der Mitte: Sicherlich wäre nichts dagegen einzuwenden, wenn Löwen, Tiger und Elefanten in nördlichen Gefilden in größeren Parks oder Reservaten gehalten werden. Doch dafür fehlen Platz und Geld. Die Alternative aber kann nicht der Zirkus sein, in dem durch Feuerreifen springende Löwen oder gezüchtete weiße Tiger, die als Mutanten in der freien Wildbahn keine Überlebenschancen haben, präsentiert werden. Das hat mit Natur nichts zu tun. Wollen Zirkusse nicht weiter in den Strudel der Kritik geraten, wären sie gut beraten, wenn sie freiwillig ihre Tierdressuren aus der Manege verbannen — dem Zirkus zuliebe. Kai von Appen
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen