: Thema heute: Abtreibung
Die Zeiten deuten auf Krisen, und Frauen sollen wieder mehr Kinder kriegen. Auch diejenigen, die keine wünschen. Die neuerliche Debatte um die Abtreibung wird nicht nur in der Bundesrepublik geführt, wo unter dem moralischen Vorwand, „ungeborenes Leben“ schützen zu müssen, das geborene Leben der Mütter beiseite gewischt wird, nicht nur in katholischen Ländern wie Irland, wo die päpstlichen Tiraden ihre Wirkung erzeugen, oder in Spanien, wo die sozialistische Regierung die alte Rechte nicht vergraulen will, sondern gerade auch in den osteuropäischen Ländern. Während die kommunistischen Regierungen zumeist eine relativ freizügige Gesetzgebung erlassen hatten, sollen Frauen nun, nach dem Umbruch, unerwünschte Schwangerschaften nicht mehr abbrechen dürfen. Sei es aus Gründen katholischer Moral, wie in Polen, sei es aus Gründen nationalistischer Demographie, nach dem Motto: Mach mal einen kleinen Kroaten. Eine Ausnahme bildet zur Zeit noch Rumänien, in dem unter Ceausescu Gebärzwang herrschte, der jetzt — in Ermangelung von Aufklärung und Verhütungsmitteln, in eine Flut von Abtreibungen umgeschlagen ist. Doch Rumäniens Sonderweg ist nur ein kurzer Schlenker, auch hier bilden sich bereits die ersten Gruppen der „LebensschützerInnen“, und bald wird auch dieses Land den Weg der anderen osteuropäischen Länder einschlagen. Der Widerstand gegen diesen Rückschritt ist schwach — in Zeiten der Krisen werden alte Werte gesucht und nicht Selbstbestimmung.
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