■ Mit Serbiens Inflation auf du und du: Teuer erkaufte Ruhe
Berlin (taz) – Mit dem Straßen-Happening in Belgrad kam der Währungskrach. In den vergangenen Wochen druckte die serbische Notenpresse pausenlos Dinar-Noten, um so die seit Monaten ausstehenden Löhne und Renten auszahlen zu können und für einen Augenblick den Volkszorn auf das verhaßte Regime zumindest etwas zu besänftigen. Bei den Arbeitern, die sich immer noch weitgehend ruhig verhalten, hatte die Strategie bisher durchaus Erfolg.
Und der Preis des Gelddruckens? Nach inoffiziellen Berechnungen serbischer Wirtschaftsexperten steigerte sich der Geldumlauf im Januar gegenüber Dezember um etwa 13 Prozent, Tendenz: weiter steigend. Die Produktion sank derweil jedoch um mindestens neun Prozent und die Inflation schnellte über Nacht auf 35 Prozent; bei gleichem Tempo wird Serbien in den kommenden Monaten bereits wieder dreistellige Inflationsraten erreichen und Wirtschaftseckdaten wie zu Zeiten des Bosnienkrieges. So kann sich die serbische Wirtschaft wohl kaum erholen. 1996 lag das Bruttosozialprodukt bei nur noch 14 Milliarden Dollar, gegenüber 30 Milliarden 1990.
In der vergangenen Woche traf die heimische Wirtschaft dann ein weiterer harter Schlag: Eine der führenden Geschäftsbanken Großbritanniens, die Westminster Bank, fror ihre Zusammenarbeit mit der Jugoslawischen Nationalbank bis auf weiteres ein. Ihre Begründung für diesen Schritt: Belgrad unternehme nichts, „um wirtschaftliche Rahmenbedingungen für neue Investitionen“ zu schaffen.
Und die Westmister-Bank ist für Serbien nicht irgendeine Bank. Immerhin war sie es, die in den vergangenen Kriegsjahren allein die Lücken im weltweiten Handelsembargo gegen Belgrad nutzte.
Zu spät erkannte nun auch Serbiens Präsident Slobodan Milošević, daß er mit seiner politischen Starrköpfigkeit sein Land tief ins wirtschaftliche Abseits drängte. Plötzlich erklärt der Diktator, die Einbindung Serbiens in internationale Organisationen sei „von einem viel höheren Stellenwert als irgendwelche Zahlen von Abgeordnetensitzen in einigen Stadtversammlungen“. Karl Gersuny
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