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TV-Männer im Prinzessinnensaal

ARD stellte auf ihrer Jahrespressekonferenz ihre Vorhaben für 1992 vor  ■ Von Sabine Jaspers

Toll, toll, toll! Auf den ersten Blick könnte angesichts von Glanz und Gloria so das Fazit lauten, war man auf der Jahresprogramm-Pressekonferenz der ARD zugegen, die unter Gesamt-Berlins neuer, guter Adresse Unter den Linden 5 im Opernpalais zelebriert wurde. Im Schein der Kristall-Lüster des Prinzessinnensaals gaben sich 14 Fernsehchefs die Ehre und bewiesen der in den flauschigen Teppichen versinkenden Presse, daß Fernsehen (zumindest in Führungspositionen) Männersache ist.

Abgesehen von den Damen, saß da nur der „noch amtierende“ DFF- Intendant Michael Albrecht nicht in der ersten Reihe, sondern im Publikum. Nach den Kurzreferaten zu den Themen „Programmschwerpunkte '92“ und „Aktuelle Entwicklungen der beiden ARD-Gemeinschaftsprogramme“ kam er jedoch auch nach vorne. „Das ist Integration“, frohlockte schmunzelnd ARD-Programmdirektor Schwarzkopf.

Hatte man auf vergangenen Pressetreffs noch deutliche Worte über Ängste vor der privaten Konkurrenz gefunden, gab man sich hier selbstbewußt — auch wenn zweieinhalb Sätze lang von Kommerzsendern die Rede war. Schwarzkopf machte einen „Erfolgsrückblick“: Die ARD habe sich — so erzählt die Statistik — in Ost und West als das Erste behaupten können. Man habe Anspruch, Ehrgeiz und Chance, das deutsche TV-Integrationsprogramm zu sein. 1992 sei eine Zeit des „Übergangs“, müsse man doch künftig die Anstalten der neuen Bundesländer am ARD-Gemeinschaftsprogramm teilhaben lassen.

Information steht in der ARD-Planung offiziell an erster Stelle. In Zukunft gibt es Tagesthemen auch am Wochenende, den Brennpunkt Mittwochs gleich nach der Tagesschau und ab Juli ‘92 ein Frühinformationsprogramm. Ereignisbezogenes wie das Columbus-Jahr oder der EG- Binnenmarkt bildet neben selbstgewählten Themen Programmschwerpunkte.

Unter dem Motto „Eine Welt für alle“ will man im Rahmen eines internationalen Großprojekts dafür sorgen, „daß unser Globus bewohnbar bleibt“, sagt Chefredakteur Martin Schulze, der Politik, Gesellschaft und Kultur bei der ARD koordiniert. Auslandstudios bleiben erhalten. Sie werden mit „Flying Teams“, die entsprechend der Nachrichtenlage zum jeweiligen Zentrum der Bewegung eilen, unterstützt. Personalisierung heißt das Schlüsselwort der Zukunft. Daß Gerd Ruge überall anerkannt ist und Seriosität vermittelt, weiß Schulze.

Unterhaltung darf nicht langweilen und „Erotik gibt's nur bei uns“, sagt Schwarzkopf, denn was die Privaten zeigen, sei „Bumsfidelität oder Sex und Gewalt“, und „das machen wir unter keinen Umständen“. Spielfilme und Fernsehspiele gäbe es in ungeheurer Spannbreite, darüber hinaus sehr oft aus der Eigenproduktion, und auch das Kinderprogramm sei einmalig in seiner Fülle. Die ARD-Leibesübungen — dort Sport genannt — wollen als „beste Unterhaltung“ das Feld des Spitzensports nicht anderen überlassen.

Bis auf einen Seitenhieb auf das ZDF-Konto (Schwarzkopf: „Das neue Programm-Schema wurde nicht abgestimmt, sondern einander mitgeteilt“) herrschte bei der ARD eitel Sonnenschein. Nur ein strittiger Punkt kam auf Anfrage auf den Tisch, blieb aber ungeklärt: Was wird wohl mit dem ARD-Studio Ost geschehen, das wohl manch ein Landessender als Hauptstadtstudio gern sein eigen nennen würde?

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