THW Kiel demontiert Recken Hannover

Im Handball alles wieder beim Alten

Im Spitzenspiel gegen die Recken Hannover macht der THW Kiel seine Ambitionen auf den Titel in der Handball-Bundesliga deutlich.

Domagoj Duvnjak springt zum Torwurf hoch, Hannovers Mait Patrail kann nicht mehr eingreifen.

Wird den Kielern länger fehlen: Domagoj Duvnjak musste verletzt raus Foto: Frank Molter/dpa

KIEL taz | Der THW Kiel hat die Verhältnisse in der Handball-Bundesliga gerade gerückt, die Aufmüpfigen „Recken“ von der TSV Hannover-Burgdorf von der Spitze gestoßen.

Das 32:23 (17:12) des deutschen Rekordmeisters geriet zwischenzeitlich zu einer Gala, der besonders Torwart Nik­las Landin mit 21 Paraden und der neunmal erfolgreiche Norweger Harald Reinkind ihren Stempel aufdrückten.

Beim 17:8 (26.) deutet sich in der ausverkauften Kieler Sparkassen-Arena eine Demontage an. Der THW kommt aus einer konsequenten Deckung zum Erfolg, überrennt die Niedersachsen mit seinem Tempospiel. Die Harmonie zwischen Kiels Keeper Niklas Landin und dem Innenblock aus Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek ist Weltklasse.

Dagegen findet auch TSV-Spielmacher Morten Olsen keine Lösungen, das ansonsten so dominante Kreisläuferspiel versandet, die Überraschungsmannschaft der Saison landet in Kiel hart auf dem Boden der handballerischen Tatsachen.

Olsens Realismus

Im Lager der Recken findet man das alles „lustig“ (Spielmacher Morten Olsen), begegnet dem Hype mit Realismus: „Wir wissen, dass wir nicht so gut sind, dass wir Meister werden können, dass irgendwann die Wende kommen wird“, sagt Weltmeister Olsen. „Aber Platz zwei ist noch immer lustiger als Platz 13.“

In Kiel sind Olsen und Co. chancenlos. Darüber kann auch eine starke Phase zwischen dem 17:8 und 17:12 nicht hinwegtäuschen. Denn nach Wiederanpfiff „zieht uns der THW zum zweiten Mal den Zahn“, resümiert Rückraumspieler Fabian Böhm. Jetzt bestrafen die Kieler das Sieben-gegen-Sechs des Gegners, der sein Heil im siebten Feldspieler sucht.

Kiels Kapitän Domagoj Duvnjak ist da schon nicht mehr auf dem Feld, muss mit Verdacht auf Muskelfaserriss in der linken Wade verletzt raus. Er wird in den kommenden Wochen schmerzhaft vermisst werden.

Andere schultern die Verantwortung. Der quirlige Miha Zarabec zieht jetzt die Fäden, während Niklas Landin weiter für kräftigen Rückenwind sorgt. Der Glaube an die eigene Stärke weicht aus den Recken-Körpern. Und der THW gerät in einen Gala-Modus. Harald Reinkind sowieso, der in Abwesenheit des verletzten Steffen Weinhold seit Wochen Großes leistet.

Nach Minuspunkten ist Kiel schon Tabellenführer

Das Duell der bisherigen Topteams der Liga mit jeweils nur vier Minuspunkten ist ein ungleiches. Die Tabelle ist ohnehin kaum aussagekräftig, hat doch der THW bis zum 19. Dezember aufgrund des Super Globe und einer beim Einheitsfest belegten Arena noch zwei Nachholspiele zu absolvieren. Darum standen die Hannoveraner auch nach zwölf Spieltagen noch an der Spitze, nachdem sie Meister Flensburg-Handewitt und den SC Magdeburg düpiert, den Rhein-Neckar Löwen einen Punkt abgerungen hatten.

„Hannover ist die Überraschungsmannschaft, Kiel macht es richtig gut, der Rest? Nicht gut genug!“, hatte der Vizepräsident des Deutschen Handballbundes, Bob Hanning, vor Kurzem analysiert. Sieht aus, als könnte er Recht behalten, auch wenn die Kieler erst einmal den Landesrivalen SG Flensburg-Handewitt zum Tabellenführer gemacht haben.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de