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ESTHER SLEVOGT
Wie entsteht das Neue?“ „Gibt es einen Kreislauf des Alten und Neuen, einen Rhythmus von Auflehnung, Rebellion und neuen Ideen?“ „Und überhaupt: Was kommt nach der Götterdämmerung?“ Fragen wie diesen geht ein ungewöhnliches Wagner-Projekt an der Deutschen Oper nach, das der Regisseur Robert Lehniger erdacht und inszeniert hat. Lehniger, 1974 in Weimar geboren, ist ein Theaterregisseur, der immer wieder (und mit großem Innovationswillen) an der Schnittstelle verschiedener Medien arbeitet und versucht, auch die Möglichkeiten der digitalen Medien einzusetzen. Das Musiktheaterprojekt „Der Ring: Next Generation“, für das die Berliner Komponistin und D-Jane Alexandra Holtsch neue (Elektro-)Musiken komponiert hat, lässt Jugendliche Motive und Figuren aus Richard Wagners Monumentalwerk „Der Ring der Nibelungen“ befragen. Der komplexe Materialmix, aus dem der Abend gebaut ist, entstand auf verschiedenen Wegen: durch Gruppenimprovisationen, musikalische Sessions, Diskussionsrunden, Lesungen wissenschaftlicher Literatur oder auch Museumsbesuchen. Am Sonntag war Premiere des Multimedia-Abends. Mittwoch und Freitag ist das spannende wie faszinierende Ergebnis dieser Wagner-Intervention, mit dem die Oper ebenso klug wie künstlerisch effektiv versucht, neue Wege zu gehen und neue Zuschauerschichten zu erschließen, noch einmal zu sehen. Nicht verpassen! (Deutsche Oper: „Der Ring: Next Generation“, 15. 3., 20. 3., jeweils 19.30 Uhr).
Nicht immer bedeutet Jugend Fortschritt. Das ist die Geschichte, die das neue Stück von Armin Petras am Maxim Gorki Theater erzählt, das man ebenfalls nicht verpassen sollte. Und zwar schon allein deshalb, weil Petras nach dem Sommer Intendant in Stuttgart sein wird und seine Arbeiten auf absehbare Zeit in Berlin rar sein werden. Allerdings führt Petras bei der Uraufführung seines Stücks über die Gladow-Bande nicht selbst Regie, sondern Jan Bosse. Die Gladow-Bande war eine Gruppe Jugendlicher, die im unmittelbaren Nachkriegsberlin mit großer Brutalität und Skrupellosigkeit Verbrechen beginnen, bis sie 1950 gefasst und hingerichtet wurden. Das Stück ist eine Parabel über eine verkommene Gesellschaft, deren Werte erst vom Faschismus ausgehöhlt wurden und schließlich mit ihm untergingen. Und über eine Jugend ohne Hoffnung, die nur den brutalen Nihilismus kannte, mit dem sie aufgewachsen war und sich als nicht integrierbar in die Nachkriegsgesellschaft zeigte und deshalb mit juristisch nicht ganz sauberen Mitteln daraus entfernt werden musste. (Maxim Gorki Theater: „Gladow-Bande“, Premiere 15. 3., 19.30 Uhr).