: Swipe und weg? No way!
Auf dem taz lab haben wir als GenZ eigene Bühnen kuratiert – ohne die Boomer um Erlaubnis zu bitten. Am Pink sollt ihr uns beim taz lab erkennen!
Fotos: Cem Öztok, Anja Anton, suna films, Laura Eibel
Von Wilma Johannssen
Was auf diesem taz lab gänzlich Neues passieren soll, hatten meine Kollegin Lina aus der taz Genossenschaft und ich Anfang Januar schnell raus. Wir wollten junge Gäste mit Main Character Energy haben, die das Ding namens taz lab mal auseinandernehmen.
Unsere Idee war nicht nur, taz-Themen auf junges Publikum zuzuschneiden, sondern die Lebensrealitäten, Leidenschaften und Ausdrucksformen unserer Generation, die bisher eher lückenhaft „bespielt“ (wie es so doof heißt) oder gar belächelt wurden, explizit zu feiern. Also: viral gehende TikToks, Modetrends, das Datingleben, Uni- oder Schulprobleme und vieles mehr.
Als das auch bei allen anderen Beteiligten durchsickerte, wurde mir eine ganze Etage (im der taz unmittelbar benachbarten Frizzgebäude) versichert – inklusive selbstbestimmter Deko und Ausstattung.
Doch damit war es noch lange nicht getan. Was in den betreffenden jungen Panels verhandelt werden sollte, brauchte ein paar Beratungsrunden (unter uns GenZ-Leuten). Wie zu erwarten, stießen einige unserer Ideen auf sprachliche Verständnisprobleme. Jugendslang war bis dato ein noch selten genutztes Stilmittel in der lab-Redaktion. Deswegen überraschten zunächst Ideen, wie „Randale mit mein' Bitches“ oder „Swipe und weg?“.
Es hieß: „Das Wort ‚Fotze‘ im Titel ist doch zu viel.“ Es landete dann zu meiner Überraschung sogar im Titel einer meiner Texte. Und das Titelfoto haben wir selbst gemalt.
Amüsant ist vor allem, wenn irgendwann die Jugendwörter im Kolleg*innenmund ganz selbstverständlich auftauchen. Morgens begrüßt mich meine Kollegin mittlerweile gerne mit einem lachenden: „Du siehst aber fotzig aus.“ Oder wie aus der Pistole geschossen kommt: „Dein Outfit ist heute slay!“
Was hier einer langsamen Umgewöhnung bedurfte, begeistert in der Social-Media-Welt. Wie hieß es in einem Kommentar neulich? Keine andere große progressive Zeitung stelle ein solch junges und entertainendes Programm zusammen. Und genau das wollten wir: Hinguckmomente, Erstaunen, Pop und Unterhaltung.
Dieses Event soll auch zum Umdenken und Verstehen anregen: Zwar stimmt es, wir benutzen ja für Ältere befremdliche Begriffe und haben ein Minimum von vier Stunden Bildschirmzeit am Tag. Aber das ist nicht nur Entertainment und blödes Geglotze. Das hat einen Background, unseren Background. Themen, Diskurse und Kreativität tragen wir in einer sich wandelnden Öffentlichkeit auf eine neue Art aus.
Wir sind auch auf TikTok und Co politisch aufmerksam und interessiert. Wir haben unsere eigenen Ausdrucksweisen und Signs in Trends, der Mode, Musik oder Sprache.
Kommt ins Frizz Gebäude direkt nebenan im 2. Stock! Ist sowieso viel unterhaltsamer!
Wir sehen uns auf dem taz lab! Einfach beim Raum „Rosa Bühnen“ selecten: tazlab.de/programm
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