Studie zur Situation in Pflegeheimen: Es fehlt an Transparenz

So­zi­al­for­sche­r fordern, dass die Heimaufsichtsbehörden ihre Berichte offen legen. Knackpunkt ist die Personalausstattung.

Eine Seniorin sitzt auf einem Sessel neben einem einzelbett und zeigt einem kleinem Mädchen etwas auf einem Smartphone

Einen Heimplatz, der akzeptabel ist, wünschen sich viele Hochbetagte Foto: Petra Silie/Deepol/plainpicture

BERLIN taz | Das Pflegeheim „Zindler-Haus“ in Hamburg zum Beispiel. „Mehr Personal als gesetzlich verlangt“, „besonders viele Fachkräfte“ steht zum Zindler-Haus auf der Website der Weissen Liste der Bertelsmann-Stiftung. Beim Malteserstift St. Theresien in Hamburg hingegen heißt es: „deutlich weniger Fachkräfte als angemessen“. Im St. Theresien würde man die alte Mutter oder den alten Vater vielleicht nicht so gerne unterbringen.

In Sachen Transparenz sei Hamburg „ein Pilotprojekt“ lobt Johannes Strotbek, Projektleiter der Weissen Liste, im Gespräch mit der taz. Auf dem Portal der Weissen Liste sollte man im Idealfall bundesweit Informationen über alle Pflegeheime und die Qualität von deren Personalausstattungen finden können.

Aber die Infos über die Personalausstattungen fehlen zumeist: Sie sind von den zuständigen Heimaufsichtsbehörden nur schwer zu bekommen. Strotbek und Kol­le­g:in­nen haben am Donnerstag eine Bestandsaufnahme über die mangelhaften Informationen veröffentlicht.

„Daten, die sich aus den Prüfungen der landesrechtlich zuständigen Aufsichtsbehörden bei den Pflegeheimen ergeben, werden in den meisten Bundesländern nicht veröffentlicht“, rügt Strotbek. Nur in sechs Bundesländern sind Ergebnisse der Heimprüfungen öffentlich zugänglich, darunter Hamburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen. Allerdings seien diese Informationen oftmals im Netz „nicht ohne Weiteres auffindbar und auch nicht ohne Weiteres verständlich“, bemängelt Strotbek.

Pflegebevollmächtige rügt

Die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Claudia Moll, sagte am Donnerstag, die Bundesländer müssten „dringend nachbessern“ und „umfassend für Transparenz sorgen“.

Veröffentlichungen über die Personalausstattungen können mit der Zeit allerdings auch veralten, ein oft angesprochenes Problem dieser Bewertungen. Strotbek räumt ein, dass etwa die Informationen zu den Pflegeheimen in Hamburg aufgrund der Pandemie teilweise nicht mehr ganz aktuell sein könnten.

Auch David Kröll, Sprecher des Pflegeschutzbundes biva, kennt die lückenhafte Informationslage für Angehörige, die eine Einrichtung suchen: „Wer sich für ein Heim interessiert, ja sogar wer da schon einen Vertrag unterschrieben hat, erfährt trotzdem nichts über den Soll- und den Ist-Zustand eines Heimes in der Personalausstattung und ob es da vielleicht eine Personal­unterdeckung gibt“, sagt er.

Auch Beschäftigte wollen mehr Personal

Kröll empfiehlt Familien, die einen Pflegeplatz suchen, über die Pflegelotsen oder -navigatoren der Krankenkassen vorzugehen. Hierbei gibt man die gewünschte Postleitzahl der Einrichtung ein, vielleicht noch Zusatzkriterien, und erhält dann eine Auswahl. Dabei ist es auch möglich, Heime auszugrenzen, die etwa beim Pflege-TÜV des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) schon mal mit Mängeln aufgefallen sind.

Der Pflegeschutzbund wünsche sich allerdings zusätzlich Informationen über die Soll- und die Ist-Personalausstattung der einzelnen Heime, so Kröll. Durch die Rahmenverträge mit den Bundesländern sind die Personalrichtwerte pro Pflegegrad in den einzelnen Bundesländern vorgegeben. Die Heime können dabei nur in gewissem Rahmen nach oben abweichen. Einige aber erreichen die erforderlichen Fachkraftquoten nicht.

Eine verbesserte Personalausstattung wünschten sich 90 Prozent des Pflegepersonals in einer am Donnerstag veröffentlichten Befragung des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) und des Fachmedienhauses Vincentz Network.

40 Prozent der rund 700 Befragten erklärten, sie überlegten, den Beruf ganz aufzugeben, vor allem, weil sie ihn nicht mit der nötigen Qualität ausüben könnten.

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