: „Steuerreform zurückstellen“
■ Keine Zeit für Steuergeschenke / Soziale Befindlichkeiten aller werden berührt
Die Nutzung von Bunkern und Kasernen seien natürlich Maßnahmen, die unter „enormem Druck“ und gehörigem „Begleitgetöse“ ergriffen würden. Henning Scherf forderte gestern zusätzlich zu all den oben genannten Notlösungen, die Bundesregierung zu konkreten Maßnahmen auf: „Aussetzung der Steuerreform auf fünf Jahre.“ Jetzt sei „keine Zeit für 10 Milliarden Steuergeschenke an gutsituierte Leute.“ Er forderte, mit diesem Geld Entwicklungsperspektiven zu entwickeln, die nicht auf Notstandprogramme beschränkt bleiben. „Wir brauchen eine neue Qualität der Kooperation“ meint Scherf und fordert, ein weitreichendes „politisches und rechtli
ches Paket zu schnüren.“
Das Flüchtlingsproblem müsse über die Grenzen hinweg verhandelt werden: „Der Kanzler muß in Polen mehr als Reden.“ Jetzt müßten den Regierungen in der DDR und Polen ökonomische Perspektiven eröffnet werden. Scherf will außerdem das „heiße Eisen“ des Bundesvertriebenen-und Flüchtlingsgesetzes (wie seine Kollegin Anke Fuchs) zur Diskussion stellen:
Es gelte, sich vom Vertreibungsgedanken zu lösen und dieses „Kriegsfolgerecht“ als einen „Restzustand des Zweiten Weltkriegs“ zu beenden. Damit könne das jetzige Flüchtlings -zu einem „Zuwanderergesetz“ werden, wofür es in Europa zahlreiche
Beispiele gebe.
Bis zur Rückkehr zu einer Normalität des Alltags rechnet Scherf mit einem Jahrzehnt. Zur Bewältigung besonders der Wohnungs-Probleme müßten viele der Reformbestrebungen zurückstehen: Der Traum vom Ein-Familienhaus sei vorerst ausgeträumt: Die soziale Befindlichkeit der Bürger werde angegriffen. Verdichtete Bebauung (nicht nur in Lücken) unausweichlich. Das habe auch ökologische Konsequenzen. Unabhängig davon, wolle sich das Land Bremen nicht „von der Notlage abmelden.“ Das sensible Instrument der Beschlagnahme werde weiterverfolgt. Einquartierungen brauche jedoch niemand zu fürchten.
ra
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen