Stellenabbau in der Automobilbranche: 720 Jobs bei Ford in Köln gefährdet

Der US-Automobilbauer bekommt die Finanzkrise zu spüren: Niemand will mehr spritfressende Motoren kaufen. Ford erwägt, die Produktion nach Rumänien zu verlagern.

Hier protestieren sie noch gegen die Rechtsradikalen von "Pro Köln": Ford-Mitarbeiter in Köln. Vielleicht stellen sie sich demnächst gegen Abbau ihrer Stellen quer. Bild: dpa

KÖLN taz Finanzkrise hin, Konjunkturabschwung her: Auf dem derzeit in Paris stattfindenden Autosalon ist der Hersteller Ford unverdrossen um Erfolgsmeldungen bemüht. Wie könnte es auch anders sein, hat doch am kommenden Samstag die siebte Generation seines in Köln produzierten Kleinwagens Fiesta ihren Marktstart. Doch das kann nicht verdecken: Die Schwierigkeiten, in denen der US-Mutterkonzern steckt, hinterlassen auch in der Kölner Deutschland- und Europa-Zentrale von Ford ihre Spuren. Auch hier sind Arbeitsplätze in Gefahr.

Die Zahlen aus den Vereinigten Staaten sind jedenfalls alarmierend. Allein im zweiten Quartal fuhr Ford einen Rekordverlust von 8,7 Milliarden Dollar ein. Im September musste der Auto-Hersteller auf seinem Heimatmarkt einen Absatzrückgang um 34,6 Prozent auf 120.788 Fahrzeuge im Vergleich zum Vorjahr hinnehmen. "Eine ohnehin schwache Konjunktur, die nun noch durch knappe Kreditmöglichkeiten belastet wird, hat eine Atmosphäre der Vorsicht geschaffen", erklärte Ford-Sprecher Jim Farley den Einbruch der Verkäufe. Wie auch US-Branchenprimus General Motors (GM) leidet Ford darüber hinaus unter einem enormen Schuldenberg. Schon mehrfach mussten beide Konzerne Insolvenzgerüchte dementieren.

Die Auswirkungen der Krise sind auch im Kölner Ford-Werk zu spüren. Anders als bei der Bochumer GM-Tochter Opel ist dabei bislang nicht der Autoabsatz das Problem: Da kann sich Ford in Deutschland über ein deutliches Plus gegenüber dem Vorjahr freuen. Kritisch sieht es vielmehr bei der Motorenproduktion aus. Denn die in der Domstadt gefertigten Sechszylindermotoren sind fast ausschließlich für den US-Markt bestimmt - für spritfressende Geländewagen, die dort inzwischen kaum jemand mehr haben will. In Spitzenzeiten wurden jährlich rund 680.000 dieser großvolumigen Motoren in die USA geliefert, für das laufende Jahr könnten es wohl weniger als 200.000 werden. Wegen der schwachen Nachfrage hatte es im März bereits vorübergehend Kurzarbeit gegeben.

Laut Konzernangaben soll die derzeitige Fertigung in "absehbarer Zeit" auslaufen. Was danach kommt, ist ungewiss. Bis Ende des Jahres will Ford entscheiden, ob demnächst an die Stelle der bisherigen Produktion die ab 2010 geplante eines umweltfreundlicheren - und damit zukunftsträchtigeren - Dreizylinder-Kleinwagenmotors ins Rheinland kommen soll. Die Konkurrenz ist hart: Den Zuschlag könnte auch die neue Ford-Fabrik in der südwestrumänischen Stadt Craiova mit ihren niedrigen Löhnen erhalten. Noch sei nichts entschieden, heißt es. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Fertigung an beide Standorte verteilt werde oder auf das Kölner Motorenwerk eine ganz andere Produktion zukomme. Für Köln könnte es "ganz düster" aussehen, wenn nicht zumindest ein Teil der der Dreizylinderproduktion dorthin kommt, befürchtet der Betriebsrat. Betroffen wären perspektivisch rund 720 Arbeitsplätze. Bis 2011 verhindert allerdings noch ein 2006 vereinbarter Standortsicherungsvertrag betriebsbedingte Kündigungen. Insgesamt beschäftigt Ford in Köln rund 17.300 Menschen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de