Steigende Gesundheitskosten: Pillen wieder teurer

Die Kosten für Medikamente sind seit 2007 stark gestiegen. Das liegt vor allem an der Erhöhung der Mehrwertsteuer.

Die Krankenkassen mussten wieder mehr Geld für Medikamente ausgeben. Bild: ap

BERLIN taz Gesetzlich Versicherte müssen immer mehr Geld für Medikamente aufwenden. Allein 2007 stiegen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Arzneimittel im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 Prozent - auf insgesamt 27,8 Milliarden Euro. Verantwortlich dafür ist vor allem die Erhöhung der Mehrwertsteuer. Damit steigen die Ausgaben für Medikamente deutlich stärker als die für Krankenhauskosten, ärztliche und zahnärztliche Behandlungen. Das erklärte am Dienstag Ulrich Schwabe von der Universität Karlsruhe bei der Vorstellung des Arzneiverordnungsreports für 2007.

Der von der AOK unterstützte Bericht listet seit 1985 jährlich auf, welche und wie viel Medikamente Ärzte in Deutschland verschreiben. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres sind die Kosten für Medikamente wiederum 5,7 Prozent gestiegen, sagte der Vorstandschef der AOK Schleswig-Holstein, Dieter Paffrath. Insgesamt haben die gesetzlichen Krankenkassen 2007 153,6 Milliarden Euro ausgegeben - ein Plus von 3,7 Prozent.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) lobte, Rabattverträge zwischen Kassen und Arzneimittelherstellern, genauere Qualitätskontrollen für Medikamente und die stärkere Nutzung von patentfreien Medikamenten hätten ein noch stärkeres Anwachsen der Kosten verhindert. Dennoch blieben die Arzneiverordnungen "die Achillesferse des deutschen Gesundheitswesens". Noch immer würden hierzulande zu hohe Preise für Medikamente gezahlt. Die aktuellen Daten des Arzneiverordnungs-Reports basieren auf der Auswertung von 708 Millionen Arzneimittelpackungen, die 2007 von etwa 134.000 Vertragsärzten verschrieben wurden.

Seit Jahren wächst der Anteil von Nachahmerpräparaten, den sogenannten Generika, am deutschen Arzneimarkt. Die starken Kostensteigerungen bei patentgeschützten Produkten können sie jedoch bislang nicht ausgleichen. Laut Schwabe gibt es bei den Arzneimitteln immer noch Einsparmöglichkeiten von mindestens 5,6 Milliarden Euro. Dies entspreche einer Senkung des Beitragssatzes um 0,6 Prozent. Daher forderten die Gesundheitsministerin und der Vorstandschef des AOK-Bundesverbands, Hans Jürgen Ahrens, stärkere Kontrollen für neue Medikamente. Künftig müsse schon vor der Erstattung durch die Kassen geprüft werden, ob ein neues Medikament überhaupt einen zusätzlichen Nutzen für Patienten bringt - und nicht erst Jahre später. Allerdings musste Schmidt zugeben, ihr Ministerium plane derzeit keinen entsprechenden Gesetzentwurf.

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