: Steglitzer Rechts-Koalition unter Druck
■ Kultursenator verurteilt beschämende Sabotage eines jüdischen Mahnmals
Eigentlich müßten die Steglitzer CDU- und FDP-Bezirkspolitiker vor Scham in den Boden versinken. Ihre Absicht, das „Denkzeichen“ für die deportierten und ermordeten Steglitzer Juden am Hermann-Ehlers-Platz zu verhindern und dies auch bei der nächsten Sitzung der Bezirksverordneten am 18. Mai mit den Stimmen der Reps durchzusetzen, wurde gestern im Kulturausschuß des Abgeordnetenhauses deutlich kritisiert. Zwar könne er nicht in die bezirklichen Kompetenzen eingreifen, meinte Kultursenator Ulrich Roloff-Momin bei der Anhörung, aber „alle Beteiligten sollten sicher sein, welche hohe internationale Aufmerksamkeit“ eine negative Entscheidung finden würde. „Die faktische Nachbarschaft mit den Reps würde nicht nur Berlin, sondern auch ganz Deutschland diskreditieren“, sagte er.
Die angesprochenen Protagonisten gegen das Denkmal, der Bezirksbürgermeister Herbert Weber (CDU) und der Baustadtrat Rene Rögner-Francke (CDU), hingegen zeigten sich unbeeindruckt. Sie wiederholten genauso formal, wie sie dies seit Monaten tun, ihre Einwände. Das von den beiden Architekten Wolfgang Göschel und Joachim von Rosenberg konzipierte Denkzeichen würde nicht den von den Bezirksverordneten vorgegebenen Maßgaben und Beschlüssen und Kompromissen entsprechen. Im übrigen sei das Denkmal nicht schön, viel zu groß, berücksichtige nicht die Vielfalt des jüdischen Lebens in Steglitz und ziehe eine – ausdrücklich nicht gewünschte – Verbindung zur Gegenwart. Mit dem Argument „Der Umfang ist auch ein Stück Inhalt“ wehrte sich der Bürgermeister gegen die Absicht der Künstler, auf einer neun Meter langen Spiegelwand Namen von deportierten Berliner Juden einzulassen. Er unterstellte auch, daß eine eventuelle spätere „Beschmutzung des Denkzeichens durch aufgehetzte Protestierer“ Teil des künstlerischen Entwurfs sei. Bei dieser Bemerkung machte sich bei den vielen Zuhörern große Unruhe breit.
Äußerst düpiert lauschten auch die im Saal sitzenden Steglitzer FDP-Politiker den Ausführungen ihres Parteifreundes Werner Wiemann. Denn dieser, Sprecher der FDP im Kulturausschuß, plädierte nämlich nicht für ein Mini-Denkmal und Umleitung der freigewordenen Gelder für einen deutsch-israelischen Jugendaustausch, sondern engagierte sich vehement für den von der SPD und den Grünen gewünschten Künstlerentwurf. „Wenn ein Denkmal keinen Gegenwartsbezug hat, braucht man es nicht aufzustellen“, sagte er. Und eventuelle „Barbaren“, die das Denkmal beschmutzen wollten, würden gezwungen werden, während der Tat „in der Spiegelwand ihr eigenes Gesicht zu sehen“. Ebenfalls auf eine Realisierung hoffte der Vertreter der Jüdischen Gemeinde, Roman Skoblo. Die Anhörung sei ein Beweis dafür, daß auch die Bezirkspolitiker bereit seien, „nach neuen Wegen“ zu suchen, meinte er versöhnlich. Diesen Beweis muß aber die Bezirksverordnetenversammlung erst erbringen. Anita Kugler
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