: Nicht schön, nicht geil und nicht mehr laut
Fast 300 Prominente fordern Rettung von Radiosender Cosmo“, titelt der Spiegel. Unterschrieben haben unter anderem Fatih Akin, Luisa Neubauer, Herbert Grönemeyer und andere Kulturschaffende. Der kleine Schönheitsfehler liegt darin, dass das schon wieder ein Jahr her ist.
Hat’s was genützt? Nee. Im Juni 2025 ging es um die Frage, wie Cosmo durch die ARD-Reform kommt, bei der zahlreiche Programme eingedampft werden sollen. Heute ist klar, gar nicht. Der bisher vom WDR, Radio Bremen und dem klammen RBB gemeinsam betriebene Weltmusik- und Weltkultursender wird nach aktuellem Stand komplett geschreddert.
Der RBB steigt aus Kostengründen ganz aus, kann sich aber hinter der Politik verstecken. Die streicht nämlich gemäß Reformstaatsvertrag einen Sender in der Hauptstadtregion und befiehlt in schönster Berliner Senatscurrywurstigkeit, das Multikulti-Gedöns doch bitte irgendwie bei RBB Radio 3 unterzustellen.
Wenn der WDR-Rundfunkrat das Ganze wie geplant am Mittwoch absegnet, zeigt er für die ganze ARD, wie ernst sie das mit dem „Für-alle-da-sein“ wirklich meint. Anfangs spendierte der Sender noch Beruhigungskügelchen und erklärte, er wolle „Cosmo nicht abschalten, sondern weiterentwickeln“.
Teil der Normalität
Cosmo soll ab 1. April 2027 in die 1live-Markenfamilie der Anstalt eingemeindet werden und heißt dann 1liveStreet. Das Ziel sei, „mehr junge Menschen in NRW zu erreichen als bis bisher“, weshalb sich das Programm der „weltweit größten und verbindenden Jugendkultur“ verschreibt. Damit meint der WDR HipHop, was ein ziemlich verengter Blick auf Weltmusik ist.
Weil schon „über 40 Prozent der unter 30-Jährigen eine internationale Biografie“ haben, ist das auch kein Problem, sagt Noch-Cosmo-Chefin Shiva Schlei. Denn „kulturelle Vielfalt prägt unseren Alltag in NRW und ist für unser Publikum Teil der Normalität“. Was die total multikulti aufgestellten Programme von WDR 2 bis 4 ja schon seit NRW-Urschleimzeiten zeigen. So funktioniert eben „mediale Teilhabe“ im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Für alle Ü30 und Nicht-so-dolle-HipHop-Möger*innen findet kulturelle Vielfalt künftig weniger statt. Und mit den muttersprachlichen Programmen und ihrem (musik-)kulturellem Umfeld ist dann eh überwiegend Sense. „Ein ESC mit Top-Weltmusik-Niveau im Jahr reicht da nicht aus“, sagt die Mitbewohnerin.
Immerhin Arabisch, Farsi und „ein weiterentwickeltes digitales Angebot in türkischer Sprache“ soll es weiterhin geben, kündigt der WDR an. Gute Idee? Nee! Jedenfalls nicht, wenn der Rest wegfällt.
Die ARD stärkt so zu allem Überfluss und hoffentlich unbeabsichtigt auch noch den pseudokulturkämpferischen Kurs im Lande. Internationalität und Multikulti im Programm schwinden. Dafür werden konservative Kreise neuerdings „Klar“ bedient.
Immerhin die Umbenennung in 1liveStreet ist konsequent. Von cosmopolitisch bleibt nichts übrig. Und für Cosmo und echtes Multikulti gehen wir mit MMW zurück auf die Straße, vielleicht nicht schön, aber geil und laut!
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