■ Standbild: Szenen einer Ehe
„Blutige Scheidung“, Mittwoch, 20.15 Uhr, RTL
Freundin tot, Vater angeschlagen, Tochter schwer verstört – Kamerafahrt rückwärts, nur flugs raus aus diesem fadenscheinigen Idyll. Wieder wurde der bürgerlichen Kleinfamilie drastisch zugesetzt.
Susanne Lothar, wie gewohnt mit Feuereifer bei der Sache, hatte als Anna – Mitte dreißig, alleinerziehend, eine ererbte Immobilie im Rücken – gegen den Grundsatz verstoßen, der da lautet: Drum prüfe, wer sich ewig bindet.
Ulrich Tukur ackerte tags zuvor noch als rotsehender Vater eines mißbrauchten Jungen bei Sat.1, verwandelte sich aber über Nacht in eine charmante Urlaubsbekanntschaft namens Bernd. Von besagter Anna etwas voreilig geehelicht, zeigte der Mann mit der dunklen Vergangenheit pünktlich zur zwanzigsten Sendeminute erste Anflüge von Wahnsinn, ganz wie es das Gesetz über das Abfassen von TV-Filmdrehbüchern zwingend vorschreibt.
Mit einigem Geschick zog der Szenarist Marc Terjung alsdann die Spannungsschraube an. Tukur setzte den irrlichternden Blick auf, und Lothar entwickelte sorgsam den Anschein von zunehmender Panik, derweil der wie stets schaurig grimassierende Martin Semmelrogge recht früh das Zeitliche segnete und damit den Film um einigen Ballast erleichterte. Einen Sonderpreis dem Regisseur, der diesen Knattermimen eines Tages in den Griff bekommt.
Katharina Schubert, immer ein Lichtblick, schaffte es hingegen bis quasi in die letzte Runde, mußte dann aber auch dran glauben, ehe sich Tukur nach einem letzten verzweifelten Tobsuchtsanfall vom Eigenheim stürzte. Damit war Lothar nach kurzer Schreckensphase schon wieder Witwe, und das hatte auch sein Gutes: Andere Eheleute machen sich schließlich über Jahrzehnte hin gegenseitig das Leben schwer.
Der Vater, wenngleich nicht leiblich, war wieder der Täter, wie so häufig in Fernsehfilmen jüngerer Produktion. Ein Muster, das in den USA schon ordentlich durchgespielt wurde, nachdem es die andere weidlich ausgewrungene Masche, den Kinofilm „Verhängnisvolle Affäre“ zu variieren, vor einigen Jahren abgelöst hatte. In scheinbar ganz harmlosem Zusammenhang erklingen Sätze wie „Da war dieses große Tier, und dann ist es halt passiert.“ Schelm oder Psychologe, wer Arges dabei denkt? hk
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