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■ Standbild192.000 Männchen

„Wenn aus Kindern Models werden“, Mi., 21.40 Uhr, ARD

Ganze 192.000 design- und lifestyleorientierte Männchen hätten sich als „Gesicht '97“ beworben, und die ließen sich einfach prima für die Markenimageverjüngung benutzen, verkündete der Audi-Repräsentant beim großen Sponsorentreffen im Vorfeld des Modelwettbewerbs. Kaum zu übersehen, daß der nichts weiter als eine überdimensionale Butterfahrt war. Vielleicht ahnten das sogar ein paar der 192.000 Männchen, die wir in Lutz G. Wetzels Film leider nicht alle kennenlernen konnten.

Ohnehin wurde erst mal ordentlich gesiebt, und dann gab's Castings in Berlin und (für die „bescheideneren“ Osttalente:) Dresden, wo sich noch immer unübersichtliche Scharen lifestyleorientierter Männchen zwei viel zu lange Minuten einer Jury aus Lokalgrößen und Sponsoren vorstellen durften. Das waren schlecht geschminkte Hotelfachfrauen und Jungs, die behaupteten, „eine kleine Ausstrahlung“ zu haben; und auch die 14jährige Polizistentochter Jennifer, die sich zuvor teeniemäßig in die elterliche Eckbank gefläzt hatte, während Mami und Papi über die Tugend der Herzensgüte (statt Schönheit) sinnierten.

45 Minuten lang konnte man sich sattvoyeurieren an designorientierten Männchen, deren Selbstüberschätzung durch die Dackelperspektive der Kamera nicht eigens hätte untermalt werden müssen. Und auch die intervallgeschalteten Routinesprüche des zum Rattenfänger stilisierten Joachim Zielisch, Ex-DDR-Modist und Veranstaltungsgründer (über die „Härte des Lebens“), und die des Sprechers (über den „Supermarkt der Gesichter“) gaben der Geschichte, wie 192.000 lifestyleorientierte Männchen ihr Glück suchten, nicht wirklich mehr Gewicht. Monie Schmalz

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