Stadtderby in Mailand: Bitte nicht beim Feiern stören!

Weil der AC Milan noch einmal federleicht aufspielt, muss Inter Mailand weiter um den Sieg in der italienischen Meisterschaft bangen.

So schnell kann's gehen: Inter Mailand-Spieler nach der 1:2 Niederlage gegen AC Mailand. Bild: dpa

ROM taz Silvio Berlusconi soll in diesen Tagen eigentlich eine Regierung bilden. Weil der Mann auch noch Präsident des AC Mailand ist, begab er sich am Sonntag zum Stadtderby gegen den Meisterschaftsfavoriten Inter Mailand ins Giuseppe-Meazza-Stadion. Sein Plan, sich fröhlich abzulenken, ging angesichts des 2:1-Erfolgs und der munteren Vorstellung seiner Mannschaft auf. Nach Abpfiff lauerten ihm wie üblich die Journalisten mit unzähligen Fragen auf, auch nach der Politik. Gefragt, wer nun welchen Posten im Kabinett bekommen würde, antwortete der 71-Jährige: "Lasst uns bitte das Heilige nicht mit dem Profanen vermischen!" Das Heilige, das ist der Calcio, der Fußball. Also bitte nicht beim Feiern stören!

Dabei sollte es eigentlich der große Tag des Rivalen werden. Inters 10.000 zum innerstädtischen Auswärtsspiel zugelassene Tifosi hatten die grün-weiß-roten Böller in den italienische Nationalfarben schon bereit gelegt, um die dritte Meisterschaft hintereinander zu feiern. Weil der zweitplatzierte AS Rom (jetzt drei Punkte Abstand) aber 3:0 bei Sampdoria Genua gewann, ist die Meisterschaft immer noch nicht entschieden. Inter hätte mit einem Sieg den Titel perfekt machen können, da Roma in den direkten Vergleichen unterlegen war.

Anstatt dem in dieser Saison schwächelnden und als Altherrenmannschaft verhöhnten AC Mailand die Grenzen aufzuzeigen, wirkte die Mannschaft von Trainer Roberto Mancini wie gelähmt. Die Inter-Abwehr um Marco Materazzi und den Kolumbianer Nelson Rivas wackelte schon in der ersten Halbzeit, der Franzose Patrick Viera und Portugals Ricardo Maniche bildeten den Kern eines uninspirierten Mittelfelds, während Stürmer Hernan Crespo (Argentinien) vorne hilflos seine Kreise zog. Den einzigen Anflug von Eleganz und Klasse leistete sich Inter beim Auftritt des Physiotherapeuten, der im Nadelstreifenanzug die Blessuren der Spieler auf dem Feld kurierte.

Milan hingegen war im Vergleich zum hilflosen Ausscheiden gegen Arsenal London im Achtelfinale der Champions League nicht wiederzuerkennen. Druckvoll, aber federleicht stürmte Trainer Carlo Ancelottis Mannschaft von Anfang an auf das gegnerische Tor. Der Brasilianer Kakà trieb unermüdlich an und nach vorne. Da steht bei Milan immer noch der putzmuntere Filippo Inzaghi. Das 1:0 (51. Minute) köpfte der 34-Jährige nach Flanke von Kakà, der das 2:0 (56. Minute) per Flachschuss nach einem Patzer Vieras selbst erzielte. Inter drückte in der letzten halben Stunde, schaffte aber nur noch den Anschluss (Cruz, 76.).

Berlusconi gefiel die Darbietung seiner Stürmer und die Tatsache, dass sein Team mit dem Sieg auf einen Champions-League-Platz gerückt war (4. Platz), so gut, dass ihm der noch vor drei Wochen den Fans hoch und heilig versprochene Transfer Ronaldinhos (FC Barcelona) auf einmal so belanglos wie ein vorbeifahrender Zug erschien. "Den brauchen wir jetzt wirklich nicht mehr", sagte er verächtlich. Stattdessen verkündete Milan die Verpflichtung des unspektakulär spielenden, aber effizienten Franzosen Mathieu Flamini (Arsenal London). Vom Heiligen zum Profanen ist es manchmal nur ein kleiner Schritt.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de