Spritschlucker sticht Kleinwagen: Öko-Plakette für schwere Autos

Das Bundeskabinett will eine neue Auto-Kennzeichnung auf den Weg bringen, die große Fahrzeuge bevorzugt.

Schweres Auto mit verhältnismäßig effizientem Motor? Ist der Bundesregierung ein Ökosiegel wert. Bild: ap

BERLIN taz Wer sich künftig ein neues Auto kauft, soll auf den ersten Blick sehen, ob er sich einen Klimakiller oder -schoner zulegen will. Das zumindest ist das Ziel der Novelle der Pkw-Kennzeichnungsverordnung, die das Bundeskabinett am Mittwoch im Rahmen ihres Klimaschutzpaketes auf den Weg bringen will. Allerdings hat die Auto-Kennzeichnung einen kleinen Haken: Die Energie-Effizienz eines Fahrzeuges richtet sich demnach nach dem Gewicht. Ein schweres Auto, das über einen vergleichsweise effizienten Motor verfügt, kann nach der neuen Verordnung als klimafreundlicher gelten als ein leichter Kleinwagen, dessen Motor nicht ganz ausgetüftelt daherkommt - obwohl das schwere Fahrzeug viel mehr Treibstoff verbraucht und mehr Kohlendioxid in die Luft bläst als der kleine Wagen.

"Es ist absurd, wenn Spritschlucker am Ende besser dastehen als Kleinwagen", kritisierte der Sprecher der Deutschen Umwelthilfe, Gerd Rosenkranz, am Montag das Vorhaben. Zudem werde damit ein falscher Anreiz für die Industrie geschaffen. Hersteller könnten bemüht sein, das eine oder andere Kilo draufzupacken, um so bei gleichem Verbrauch in eine günstigere Kategorie zu rutschen. "Wir brauchen aber einen Trend hin zu kleineren und leichteren Fahrzeugen."

Als Alternative schlägt die Umwelthilfe eine Kennzeichnung vor, die abhängig von der Grundfläche des Fahrzeuges ist. Damit könne berücksichtigt werden, dass Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen sich unterschiedliche Autos wünschen. "Eine sechsköpfige Familie braucht ein anderes Auto als ein Single." Deshalb dürfe man eine Familienkutsche nicht mit einem Zweisitzer vergleichen. Schließlich könne eine gute Kennzeichnung der Fahrzeuge in den Autohäusern durchaus eine volkspädagogische Wirkung entfalten.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) setzt hingegen darauf: Entscheidend für Verbrauchskennzeichnung, die ähnlich wie bei Waschmaschinen und Kühlschränken gestaltet wird, soll sein, wie viel klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) ein Auto ausstößt. "Entscheidend ist, was hinten rauskommt", so BUND-Geschäftsführer Gerhard Timm. "Jeder Versuch, Spritfresser gegenüber sparsamen Fahrzeugen zu bevorteilen, muss zurückgewiesen werden."

Der Umweltverband schlägt deshalb vor, die Klassifizierung direkt an den CO2-Ausstoß des jeweiligen Autos zu koppeln. Dabei sollten sieben Effizienzklassen, nämlich A bis G, eingeführt werden. Die beste Wertung erhielte ein Fahrzeug, das 80 bis 100 Gramm CO2 pro Kilometer emittiert, die nächstbeste eines, das 100 bis 120 Gramm pro Kilometer ausstößt usw. Ein Benziner-Kleinwagen wie der Ford Fiesta mit 60 PS würde mit der Effizienzklasse D im Mittelfeld landen.

In die zweitbeste Klasse käme der Daihatsu Cuore. Ab 2012 will der BUND die Effizienzstufen um 20 Gramm nach unten verschieben und mit 60 Gramm CO2 pro Kilometer beginnen.

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