MIT DER DADDELINDUSTRIE AUF DU UND DU: Spielwelle verebbt
■ Automatenindustrie kämpft um die letzten Kunden
Frankfurt/Main (dpa/taz) — Nur in der Jukebox ist noch Musik: mit CD-Technik aufgerüstet, ist sie zum Exportschlager der deutschen Automatenindustrie geworden. Trauermärsche bläst hingegen der Rest der Branche, trotz des aufgeregten Gedudels der Unterhaltungs- und Gewinnspielgeräte, die ab Mittwoch das Frankfurter Messegelände für vier Tage zur größten Spielhalle der Welt machen werden. Um mehr als 14 Prozent, auf 159.000 Geräte, ist die Zahl der Geldspielgeräte seit der Spieleverordnung vom Dezember 1985 in den alten Bundesländern zurückgegangen. Auch in den neuen Bundesländern ist die Automatenspielwelle schnell verebbt.
Auch die Zigarettenautomaten und eisernen Getränkeverkäufer, die auf der IMA im Schatten der rotierenden Lichträder und Blinkbatterien stehen, ziehen immer weniger Kundschaft an. Zwar beteuern die Hersteller und Betreiber der 710.000 Zigarettenautomaten Gesamtdeutschlands, die Geräte förderten die Nikotinsucht Jugendlicher keineswegs. Nur glauben das offenbar immer weniger der potentiellen Aufsteller. Und bei Kaffee- und Cola-Automaten lähmt das gestiegene Umweltbewußtsein das Geschäft. Noch purzeln fast 1,3 Milliarden Plastikbecher jährlich aus den Geräten. „Die Becher- Stornotaste für den Einsatz der eigenen Tasse hat in Betrieben nur zum Rückgang des Verkaufs geführt“, klagt ein Hersteller.
Die Zukunft der stummen Verkäufer malen sich die Strategen gegen den Trend goldglänzend aus: „Wenn man bedenkt“, schreiben sie in einer Werbebroschüre, „daß es 1887 revolutionär war, Süßwaren aus Automaten zu kaufen, so wird es bald ganz normal sein, Goldbarren über diese Distributionsschiene zu erwerben.“ Der Barren dürfte allerdings kaum bonbongroß sein: Mehr als acht Mark, so Experten, mag kaum jemand in einen Automaten stecken.
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