Sperre für Gilardino: Betrüger statt Cleverle

Alberto Gilardino vom AC Florenz wird wegen eines Handtors vom italienischen Fußballverband gesperrt. Der legendäre Maradona wurde dafür einst bewundert.

Keine "Hand Gottes": Alberto Gilardino ist gesperrt. Bild: dpa

FLORENZ taz Alberto Gilardinos Handtor wirft erneut ein schlechtes Licht auf die Schiedsrichter. Bei einem kleinen dicklichen Argentinier mit Hang zum Exzess schmunzelt die Welt, bei einem schlanken fitten Italiener ohne sonderliche Auffälligkeiten schlägt die Sportgerichtsbarkeit hingegen eiskalt zu. Maradonas Handtor gegen Englands Torwart Peter Shilton gehört weiter zu den legendären Fußballmomenten. Eine Strafe war gegen das Schlitzohr, das die "Hand Gottes" als Hilfe in Anspruch genommen hatte, niemals verhängt worden. Der Disziplinarausschuss des italienischen Fußballverbandes indes hat den Fiorentina-Stürmer Alberto Gilardino mit zwei Spieltagen Sperre nach einer ähnlichen Aktion belegt. Die Videoanalyse seines Tores gegen Palermo hat für den Sportrichter Gianpaolo Tosel ergeben, dass Gilardino den Ball absichtlich mit der rechten Hand ins Tor bugsiert hat. "Ohne jeden Zweifel ist die Aktion von Gilardino aufgrund ihrer besonderen Dynamik freiwillig und absichtlich und keineswegs durch die Auseinandersetzung mit dem Verteidiger Dellafiore herbeigeführt", begründete der Richter sein strenges Urteil.

Der Club aus der Toskana hatte mit diesem Tor den Grundstein für einen 3:1-Sieg gelegt. Palermos Präsident Zamparini wetterte gleich nach Abpfiff über den "Betrug" und forderte sogar fünf Spieltage Sperre. Gilardino hatte zusätzlichen Unmut ausgelöst, weil er nach dem Tor ausgelassen gejubelt und jegliche Absicht beim Handspiel ausgeschlossen hatte. Der AC Florenz hat gegen das Urteil Einspruch eingelegt. Dieser war jedoch abgewiesen worden. Fiorentina-Coach Cesare Prandelli nahm das Urteil gelassen auf: "Dann ist Alberto frisch für die Champions League", sagte er der Gazzetta dello Sport. Seiner Führung im Klassement der Topkanoniere geht Gilardino nun wegen der Zwangspause eventuell verlustig. In der Fußballhistorie wird man sich an ihn nicht als Cleverle, sondern als erwischten Betrüger erinnern.

Ähnlich kritikwürdig wie Gilardino ist allerdings auch Schiedsrichters Emidio Morganti. Er befand sich auf Ballhöhe und hätte das Tor annullieren müssen. Er hätte allerdings zuvor schon das Spiel unterbrechen müssen. Dellafiore war selbst in den Augen des Keepers von Palermo strafstoßwürdig gegen Gilardino vorgegangen. Weil sich die Fehler letztlich gegenseitig aufhoben, waren sie für den Spielausgang nicht entscheidend. Morganti hätte aber den Zorn der Palermitaner vermeiden können - und Gilardino hätte dann der Fiorentina zur Verfügung gestanden. Schiedsrichterkoordinator Pierluigi Collina hat allerhand zu tun, seine Schäfchen zu einer ordentlichen Herde zusammenzustellen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de