Spanisches Atomkraftwerk: Nach der Panne droht Bestrafung

Nachdem es im spanischen AKW Vandellós gebrannt hat, fordern Umweltschützer, dem Betreiber Endesa die Betriebserlaubnis zu entziehen.

Irgendwie müssen die Millionen von Touristen an Spaniens Stränden ja mit Energie versorgt werden. Doch die Atomkraft erweist sich auf der Iberischen Halbinsel als nicht ganz so risikoloser Stromlieferant. Bild: dpa

MADRID taz Die Ursachen des Turbinenbrands im spanischen Atomkraftwerk Vandellòs vom Sonntag sind noch immer ungeklärt. Schon jetzt steht fest: Auch diesmal wieder wurde die Öffentlichkeit spät informiert, ist das Sicherheitsprotokoll nur schleppend in Gang gekommen.

Spanischen Presseberichten von Montag zufolge meldeten die Angestellten im Turbinenraum des bei Tarragona gelegenen Kraftwerks Vandellòs-2 am Sonntagmorgen, kurz vor acht Uhr, Feuer bei einem der Generatoren. Das Kraftwerk schaltete automatisch ab. Zehn Minuten später war der Notfallplan der Stufe null, das heißt ohne Risiko für einen Austritt von Radioaktivität, aktiviert. Die Betriebsfeuerwehr löschte den Brand bis um halb elf morgens.

Das Kraftwerk gehört den spanischen Energiekonzernen Iberdrola und Endesa, wird aber von Endesa betrieben. Das Unternehmen muss nun nicht nur Fragen nach der Brandursache beantworten. Die Atomaufsicht teilte mit, ihr Aufsichtspersonal im AKW habe den Notfallplan aktiviert, und nicht die dafür zuständigen Angestellten von Endesa selbst. Auch wurde die katalanische Regionalregierung offenbar nur mit erheblicher Verspätung verständigt und ihrer Feuerwehr nach dem Brand sogar der Zutritt aufs Gelände zeitweise verweigert. Es war der zweite Brand in Vandellòs. Schon 1989, beim bisher schwersten Störfall in einem spanischen AKW, griff ein Feuer im Turbinenhaus von Vandellòs-1 auf den Rest der Anlage über. Der Block wurde stillgelegt.

Spanische Umweltschützer fordern, Endesa die Betriebserlaubnis für die drei katalanischen Kraftwerke zu entziehen. Im November 2007 kam es im ebenfalls von Endesa betriebenen AKW Ascó zur bisher größten Nachlässigkeit: Beschäftigte kippten radioaktiven Abfall ins Kühlbecken. Durch ein Lüftungssystem gelangte Radioaktivität auch ins Freie. Die Verantwortlichen manipulierten Messgeräte und betrieben das Kraftwerk weiter. Nicht einmal Besuchergruppen wurde abgesagt. Greenpeace machte den Vorfall nach vertraulichen Hinweisen fünf Monate später öffentlich.

Inzwischen schlägt die Atomaufsicht eine Strafe von 22,5 Millionen Euro für Endesa vor. Das Industrieministerium hat in der Angelegenheit das letzte Wort. Gegenwärtig laufen in Spanien acht Atomreaktoren, sie liefern 20 Prozent des Stroms. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero erklärte jüngst, Atomstrom stehe in Konkurrenz zu Erneuerbaren Energien, die er bevorzuge.

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