Spätis sorgen für das Wegebier: Stabile Versorgungslage

Bier ist das Schmiermittel, das die Spätis am Laufen hält. Dabei trinkt man in Berlin immer noch am liebsten Pils. Das neue Ding aber ist Eistee.

Mit Bier gefüllte Regale in einem Berliner Späti

Für je­de*n etwas dabei: Alkoholvorräte in einem Berliner Späti Foto: Lena Giovanazzi

BERLIN taz | In Spätis gibt es bekanntlich so gut wie alles für den täglichen Bedarf, vor allem aber sehr viel Bier. Die Kühlschränke, in denen der Bölkstoff verwahrt wird, sind in den meisten Spätis eindrucksvolle Bier-Schaufenster. Es gibt so viele Sorten zur Auswahl, da können die meisten Supermärkte nicht mithalten.

Bier ist das Schmiermittel, das die Spätis am Leben erhält. Egal, mit welchem Späti-Betreiber man sich zum Beispiel in Friedrichshain unterhält, alle sagen dasselbe: Nichts läuft so gut wie Bier.

Morgens steuern die ersten Alkis ihren Späti für den Gerstensaft an, ab dem Nachmittag werden die Feierabendbiere verkauft und in der Nacht holen sich hier die Ausgehwilligen ihre Wegbiere oder verlegen gleich ganz ihre Party vor den Späti und trinken dort ein Bier nach dem anderen.

„Bier ist mit Sicherheit die stärkste Kategorie im Späti-Bereich“, sagt auch Uwe Hölzer, CEO von Magaloop, einem Start-up, das eine App anbietet, über die Kleinhändler ihre gewünschten Produkte direkt bei den Herstellern ordern und so den Umweg über den Großhändler umgehen können. Über 1.000 Späti-Betreiber in Berlin würden seine App nutzen, gibt er an. Und mit den Daten, die er über diese bekommen hat, konnte er mit seiner Firma einen „Berliner Bier-Report“ erstellen, der erhebt, welche Biere in den hiesigen Spätis am liebsten getrunken werden.

Vom Spätverkauf Da kauft man ein, wenn man beim Einkaufen etwas vergessen hat. Und zwar bis spät in die Nacht, die in Berlin gern etwas länger sein darf. Ein Erfolgsmodell. Und eine sozialistische Errungenschaft: Schließlich entstand der Spätverkauf in den 1950er Jahren in der DDR, seit der Wende hat sich das liebevoll verknappte „Späti“ als Begriff etabliert, den man seit einigen Jahren sogar im Duden nachschlagen kann. Selbst in süddeutschen Städten wie München und Stuttgart soll der Begriff „Späti“ mittlerweile verwendet werden.

Zur Kiezkultur Trotz dieser Erfolge auch anderswo bleibt der Späti vor allem ein besonderer Bestandteil der Berliner Kiezkultur. Und ist damit Grund genug, sich in unserer Sommerserie einmal genauer in diesen Läden umzuschauen. Alle Folgen: taz.de/berlin/spätis-in-berlin.

Ausgewertet wurden dazu die Bestellungen im Coronajahr 2020 und im ersten Quartal des aktuellen Jahres. Eine Erkenntnis des Reports ist: Obwohl man annehmen könnte, dass auch die Spätis von der Pandemie gebeutelt wurden, da sie teilweise aufgrund des Lockdowns früher als üblich schließen mussten, lief das Geschäft mit Bier gleichbleibend gut.

„Alles ist hier relativ stabil geblieben. Da zeigt sich, dass viele Menschen auch während der Pandemie nochmal runter gegangen sind zu ihrem Späti und sich hier ihr Fläschchen Bier geholt haben“, so Hölzer.

Im Durchschnitt verkauft ein Späti 1.100 Liter Bier im Monat, sagt er. Das beliebteste Späti-Bier ist laut dem Bier-Report das Sternburger. Das „Sterni“, das als billig aber trinkbar gilt, liegt damit knapp vor dem Berliner Kindl.

Außerdem ist zu erfahren, dass der Berliner und die Berlinerin sich mit großem Abstand am liebsten ein Pils im Späti holt, aber das vor allem in Süddeutschland populäre Helle bekommt langsam immer größere Marktanteile in Berlin. „Vor allem die bayerischen Biere werden immer stärker“, so Hölzer. Das Augustiner aus München liegt hier ganz vorne. Alkoholfreies Bier, das nur nebenbei, verkauft sich in Spätis übrigens fast gar nicht.

Am beliebtesten sind die baye­rischen Biere, die deutlich teurer sind als so ein Sterni oder ein Berliner Kindl, in den Bezirken Pankow, Kreuzberg-Friedrichshain und Mitte, während vor allem im weniger hippen Lichtenberg noch stärker die etwas billigeren Biere bevorzugt werden.

Wer also in exklusiveren Wohnlagen lebt, gönnt sich auch mehr beim Späti-Bier.

Craft Beer, diese richtig speziellen Biere unabhängiger Brauereien, die in den letzten Jahren so gehypt wurden und teilweise richtig viel kosten, spielen in den Berliner Kiosken dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Ihr Anteil liege bei unter 2 Prozent, so Hölzer.

Der dann noch sagt, Bier, klar, sei enorm wichtig für die Spätis. Aber das neue Ding in diesen Läden sei der Eistee. Vor allem amerikanische Rapper seien in diesem Markt tätig und drängten mit ihren Eigenmarken in die Spätis. Auch der Berliner Rapper Capital Bra beispielsweise hat inzwischen seinen Eistee in den Spätis lanciert.

Gerade sei er dabei, den nächsten „Berliner Bier-Report“ zu erstellen, so Hölzer. Aber als nächstes könnte dann die erste Markterhebung zum Thema Eistee in den Spätis folgen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de