Sookee aka. Sukini rappt für Kinder

Liebevoll und glitzernd

Florierendes Genre Kinder-HipHop: Rapperin Sookee nennt sich nun Sukini und veröffentlicht das Album „Schmetterlingskacke“.

Sookee hält sich eine Haarsträhne über den Mund wie einen Schnurbart

Sukinis Themen: Liebe, Freude, Ärger, Schmerz Foto: Teresa Nanni/Promo

Von dem, was den Deutschrap einmal stark gemacht hat, ist gegenwärtig wenig geblieben. Widersprüche zum Sprechen und Gefühle zum Ausdruck bringen, ohne dabei auf Ambivalenzen verzichten zu müssen, gelingt dem Genre immer seltener. Hoffnung kommt nun ausgerechnet aus einer Ecke, von der man es vielleicht nicht erwartet hätte: Im HipHop für Kinder und Jugendliche gab es zuletzt etliche Veröffentlichungen, etwa von Deine Freunde oder D!e Gäng.

In diese Reihe fügt sich nun auch die feministische Berliner Rapperin Sookee. Unter dem Namen Sukini veröffentlicht sie jetzt das Album „Schmetterlingskacke“ und will damit einer Zielgruppe einen anderen HipHop-Zugang eröffnen, die fortwährend Gangsta-Rap auf den Schulhöfen hört, ohne die emotionalen Potenziale von Rap auch nur zu erahnen. Sukinis Tracks adressieren zwar primär Kinder im Grundschulalter, die Themen reichen aber weit darüber hinaus.

„Schmetterlingskacke“ ist weich, zart und mitfühlend, die Stücke changieren zwischen Liebesliedern und Battlerap, musikalisch umfasst das Repertoire damit den Sound, den jugendliche Rap-Hörer*innen kennen. Sukini gibt jenen in ihren Liedern mit auf den Weg: es sind nicht nur die harten Gefühle, sondern auch die weichen, die – mit Kontrabass- und Gitarrensound – zum Klingen gebracht werden können.

Sie beschäftigt sich mit all jenem, das nicht nur Kinder, sondern Menschen allen Alters bewegt – von der Liebe und Freude bis hin zum Ärger und Schmerz: „Du und ich, wir wachsen zusammen/ du und ich, wie lachen und dann/ sind wir im Herzchen ganz aufgeregt, ganz aufgeregt.“

Manche Lines von Sukini werden Kinder vielleicht überfordern, die meisten Verse aber werden sie herausfordern, mehr verstehen zu wollen, dazu anregen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. So etwa in dem Track „Alle Menschen“, der – aus Erwachsenensicht – an die Idee von Norbert Elias erinnert, nach der jedes Individuum die Menschheitsgeschichte in komprimierter Form noch einmal durchlaufe und der individuelle Lebensgeschichten zum Anlass nimmt, um große Fragen kindgerecht zu formulieren: „Scheint die Sonne denn nicht für alle?“ Sukini schließt mit der Forderung an: „Jeder Mensch soll leben können, wo und wie er mag / Atmen, schlafen, lernen, lieben, jeden Tag.“

Mobbingerfahrungen

Es gibt unter den zwölf Tracks solche, die davon erzählen, wie Kinder still gestellt werden, wie ihre Neugier von Erwachsenen vertröstet, abgewehrt, aufgeschoben wird: „Das verstehst du noch nicht / das ist zu kompliziert / ich kann jetzt nicht / ich muss mich konzentrieren.“

Dann solche, die Mobbingerfahrungen thematisieren und davon handeln, wie leidvoll diese sind und wie arg sie am Selbstbewusstsein nagen: „Ich schlich durchs Zimmer / wollte in den Kleiderschrank / öffnete ihn und darin / saß ein kleiner Mann// Er schaute mich ängstlich an / und sagte tu mir nix / Dann erklär mir mal / warum du in unserer Bude sitzt? // Er antwortete mit errötetem Gesicht / Hier bin ich sicher / draußen mögen sie mich nicht“. Daran anschließend betont Sukini, wie wichtig der Schutz durch Freunde ist, um am Mobbing nicht zu zerbrechen, um zu begreifen: „So wie ich bin, macht es Sinn“.

Sukini betont, wie wichtig Freunde sind, um am Mobbing nicht zu zerbrechen

Oder Sukini erzählt von „Prinzessin Peach“, die von Super-Mario stets in eine passive Rolle gedrängt wird, obgleich sie es in echt „faustdick hintern Ohren“ hat und eine Prinzessin eben nicht geboren sei, um gerettet zu werden. Ein Song, der die binäre Geschlechterordnung infragestellt.

Auch das Stück „Glitzer“ handelt vom Aufbegehren gegen die gesellschaftlich vorgegebene Dichotomie aus „blau“ und „rosa“. Sukini spinnt darin hymnisch und witzig den „Pizza“-Song der Antilopen Gang fort, sampelt deren Beats und paraphrasiert den Refrain: „Oh ich glaube fest daran, dass uns Glitzer retten kann / jeder Revolutionär, braucht nur Glitzer ungefähr.“ Man kann dieses Stück als eine Ode an die kindliche Fantasie lesen, die die Welt und den Alltag bunter und erträglicher machen kann.

Sukini: „Schmetterlingskacke“ (Karussell/ Universal)

Und wenn das Album dann mit dem Track „Gute Nacht mein Kind“ schließt, wünscht man sich, man hätte schon in der eigenen Kindheit ein solches Schlaflied hören können. Liebevoll erzählt es vom Tag eines Kindes, von Glück und Ärger, von kleinen Erfolgen und Misserfolgen, von dem, was das Kinderherz am Abend bewegt.

Es ist voller Anerkennung und Liebe: „Schlaf recht tief / schön, dass es dich gibt.“ In dem Song schwingt die Hoffnung mit, dass die Welt ein bisschen weniger schlecht sein möge, wenn sich in zwanzig Jahren diejenigen an Sukinis Kinderlieder erinnern, die ihre Songs dieser Tage hören. Ein bisschen mehr Glitzer, im Deutschrap und anderswo, könnte auf dem Weg dahin helfen.

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