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Skin-Aussteiger leben gefährlich

■ Milde Urteile in Magdeburg für Überfall auf „Verräter“

Magdeburg (taz) – Aussteiger aus der Skinhead-Szene leben gefährlich, insbesondere dann, wenn sie ihren Ausstieg auch noch mit belastenden Aussagen gegen Ex- Kumpane verbinden. Als „Verräter“ wurden im Februar ein 21jähriger Aussteiger und seine Freundin in einer Diskothek bei Magdeburg überfallen und so brutal verprügelt, daß sie schwere Schädelverletzungen davontrugen. Zwei der Täter konnten sich gestern vor dem Magdeburger Landgericht über milde Urteile freuen.

Eineinhalb Jahre Jugendstrafe auf Bewährung für den 20jährigen Lars H., vier Wochen Jugendarrest für die 21jährige Bianca Z. Damit blieben die Richter weit unter dem Antrag des Staatsanwalts, der für beide Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung Haftstrafen von mehr als zwei Jahren gefordert hatte.

Offenbar wächst in Magdeburgs Glatzenszene der Druck auf potentielle Aussteiger. Auch in diesem Prozeß waren Zeugen aus der Szene auffallend zurückhaltend, hatten wenig gesehen oder konnten sich nicht mehr so genau erinnern. Der Behauptung der beiden Angeklagten, daß es sich um eine spontane Schlägerei gehandelt habe, schenkte das Gericht wenig Glauben. „Es war von vornherein geplant, dem ,Verräter‘ einen Denkzettel zu verpassen, und jeder, der dabei war, wußte genau, wie der aussieht“, sagte der Richter.

Das dennoch so milde Urteil für die einschlägig vorbelasteten Angeklagten stieß bei Prozeßbeobachtern auf Unverständnis, der Staatsanwalt schloß eine Berufung nicht aus. Eberhard Löblich

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