: Simitis übernimmt bei Pasok das Ruder
■ Griechenlands Regierungschef wird zum neuen Parteivorsitzenden gewählt
Berlin (taz) – Der griechische Ministerpräsident Kostas Simitis ist neuer Vorsitzender der Pasok. Simitis erhielt bei der Wahl am Sonntag zum Abschluß des Pasok- Parteitages in Athen 54 Prozent der Stimmen und siegte damit knapp vor seinem Konkurrenten, Innenminister Akis Tsochatsopoulos. Dieser kam auf 45 Prozent der Stimmen.
Simitis hatte für den Fall, daß sein Rivale gewinnen sollte, seinen Rücktritt vom Amt des Ministerpräsidenten angekündigt. Er stellte die Delegierten damit vor die Frage, wer für die Partei die nächsten Parlamentswahlen gewinnen soll. Die Wahlen müssen spätestens im Herbst 1997 stattfinden.
Die Antwort ist seit langem klar. Die griechischen Wechselwähler sind nur mit dem Reformer und „Europäer“ Simitis zu gewinnen. Weder Innenminister Tsochatsopoulos noch Verteidigungsminister Gerasimos Arsenis wird von den Demoskopen eine Chance gegeben, die Pasok zu einem Wahlsieg zu führen. Arsenis, den die Tsochatsopoulos-Fraktion nach einem Rücktritt von Simitis angeblich zum neuen Regierungschef machen wollte, gilt künftig als härtester Rivale des neuen Parteivorsitzenden.
Obwohl eine Parteispaltung bis zu den nächsten Wahlen ausgeschlossen werden kann, hat der Erfolg von Simitis die Polarisierung in der Pasok keineswegs überwunden. Das zeigt nicht nur das knappe Abstimmungsergebnis, sondern auch die Parteitagsatmosphäre, die streckenweise an die Zusammenstöße von Hooligan- Cliquen erinnerte.
Der Sieg von Simitis über den Parteiapparat geht nicht nur auf seine Rücktrittsdrohung zurück. Der Tod von Andreas Papandreou dürfte vielen Delegierten endgültig klargemacht haben, daß die Papandreou-Ära auch politisch überwunden werden muß. Das hat die Richtungsentscheidung zugunsten des Reformers Simitis begünstigt. Zudem hatte sich der Sohn des Parteigründers, Bildungsminister Giorgos Papandreou, eindeutig für die Wahl von Kostas Simitis ausgesprochen. Wirkungsvoller war dem Parteitag nicht zu demonstrieren, daß mit der politischen Dynastie Papandreou auch die Ära der populistischen Wahlkämpfe zu Ende ist. Nils Kadritzke
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