Silvesterscherz von britischem Konservativen: Politiker verkleidete sich als "Maddie"

Ein englischer Jungpolitiker hat sich auf einer Silvesterparty als Madeleine McCann verkleidet. Nun haben ihn die Tories aus der Partei ausgeschlossen.

Das Original: Die noch immer vermisste Madeleine McCann. Bild: dpa

Der Tory-Nachwuchs hat einen eigenartigen Humor. Der 23-jährige Matthew Lewis vom Jugendverband der britischen Konservativen hat sich zu einer Silvesterparty als Madeleine McCann verkleidet. Das kleine Mädchen war im Mai 2007 kurz vor ihrem vierten Geburtstag aus einer Ferienanlage in Portugal verschwunden und ist seitdem nicht wieder aufgetaucht. Lewis ging mit blonder Perücke, rosa Schlafanzug, einem Teddy und einer Flasche künstlichem Blut auf die Party. Danach gab er mit seiner originellen Idee auf der Internetseite Facebook an und ließ sich von anderen Jungtories bewundern.

Der Parteivorstand war weniger beeindruckt: Er setzte Lewis, der Ambitionen auf einen Abgeordnetenposten hatte, am Wochenende als Vorsitzenden des Ortsverbandes von Staffordshire ab und schloss ihn aus der Partei aus. Lewis gab sich tief zerknirscht: "Ich bereue mein Verhalten vollkommen", sagte er, "und kann gar nicht ausdrücken, wie leid mir dieser unglaubliche Schmerz tut, den ich verursacht habe." Einer seiner Kollegen sagte: "Die jungen Tories müssen kapieren, dass der Nachwuchsverband der Konservativen kein lustiger Saufclub für Idioten ist." Ach wirklich?

Vorigen Februar zog der Vorsitzende des schottischen Tory-Jugendverbandes auf einem Kostümfest einen gefesselten und geknebelten Parteifreund an einem Seil hinter sich her. Herr und Sklave mussten zurücktreten, als die Sache ans Licht kam. 1994 erschienen junge schottische Tories volltrunken auf dem Parteitag in Bournemouth und forderten "ethnische Säuberungen" in Nordirland. Einer von ihnen hob dabei seinen Schottenrock hoch und entblößte sich. Ein anderes Mal beschimpften die Londoner Nachwuchskräfte den früheren Premierminister Harold Macmillan als "Kriegsverbrecher". Ihr Verband wurde daraufhin aufgelöst.

Einzig der Nachwuchsblaublüter Prinz Harry kommt stets ungestraft davon. Der Queen-Enkel war auf einer Party mit Hakenkreuz-Armbinde erschienen, und am Samstag musste er sich öffentlich entschuldigen, weil er einen Soldaten bei einer Truppenübung auf Zypern als "Paki" und einen anderen als "Lumpenkopf" bezeichnet hatte. Der Windsor-Clan wurde jedoch nicht aufgelöst. RALF SOTSCHECK

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