Selbständig in der Pandemie: „Es war Sklaverei.“

Ohne Schulabschluss bekam Zino I. nur miese Jobs und dafür kaum Geld. Als er seinen eigenen Späti eröffnete, ging ein Traum in Erfüllung. Doch dann kam Corona. Eine Bestandsaufnahme.

»Ob es läuft oder nicht – ich bleibe optimistisch«: Zino I. in seinem Späti Foto: Jan Philip Welchering

Interview: DANA GIESECKE

Zino I. ist 31 und Besitzer des »I love Späti« im Berliner Bezirk Friedrichshain, eines Kiosk, der auch jenseits der üblichen Ladenzeiten geöffnet hat. Der Golf GTD vor dem Späti ist seiner. Gerade steht er in seinem Laden, verkauft Zigaretten, nimmt Pakete an, lässt die Eistruhe auffüllen – und erzählt. Es herrscht allgemeine Duz-Atmosphäre.

»Ein, zwei, drei Kinder – und vielleicht ein Haus mit Wiese.«

Zino I.

taz FUTURZWEI: Wie läuft dein Geschäft heute, Zino?

ZINO I.: Mittags kam ein Kunde mit schlechter Laune in den Laden. Er sagte: »Warum habt ihr so gute Laune?« Ich meinte: »Wieso soll ich nicht gut drauf sein?« Sagt der: »Na wegen Corona und so.« Sag ich: »Ist doch egal. Du musst im Positiven bleiben. Sobald du negativ denkst, bist du schlecht drauf. Bringt doch nichts. Ich bleib immer im Positiven, da hast du mehr Spaß im Leben. Es ist schönes Wetter, die Sonne scheint, geh raus und rauch eine!« Meint er: »Stimmt. Du hast Recht.« Alle wundern sich, warum ich immer lache oder grinse. Ich mach mir keine schlechte Laune, egal, was kommt oder nicht kommt.

Das ist manchmal sicher schwierig?

Ach, wenn hier ein Trauerkloß sitzt, kommt keiner. Ob es läuft oder nicht, ich bleib optimistisch. Dann erreiche ich auch mal was. Ich sag immer zu meiner Freundin: »Ich will ja nicht im Krankenhaus landen, nur weil ich Krebs bekommen hab oder Burn-out.«

Bist du zufrieden, wie dein Laden läuft?

Ich bin zufrieden mit dem Laden. Das erste Jahr war super. Ich dachte, das zweite wird noch besser. Aber dann kam ja Corona. Als die ganzen Clubs und Discos noch offen waren, war ich manchmal bis drei oder vier Uhr morgens hier. Da hat sich das gelohnt. Obwohl die in die Clubs gegangen sind, haben die hier angehalten. Wirklich, früher haben die hier viel getrunken, sogar draußen auf dem Gehweg haben die gesessen. Das war lustig. Ich mach das beste Geschäft, wenn um mich herum alles andere offen ist. Restaurants, Bars und Geschäfte. Wenn alles zu hat, haben die Leute keinen Bock, rauszugehen. Dann lohnen sich auch Spätis nicht. Alle sagen dann: Wir bestellen uns was und gehen nicht aus dem Haus. Also wirklich: Jetzt mit Corona und ohne Discos und ohne Berlin-Touristen läuft es für mich schlechter. Die Hälfte der Verkäufe ist runtergegangen.

Wann ist deine Familie nach Deutschland gekommen?

Wir sind zuerst in Bayern angekommen. Ich war zwei Jahre alt. Dort haben wir gelebt, bis ich acht war. Dort hab ich sogar die erste Klasse einer katholischen Schule besucht. Hab mich immer gefreut, dorthin zu gehen. Ich war sehr gut. Dann gab es Probleme mit unseren Papieren und wir mussten nach Potsdam umziehen. Leider konnte ich dann, bis ich 18 Jahre war, keine Schule mehr besuchen. Erst, als wir die Papiere hatten, durfte ich auch wieder zur Schule gehen. Meine Schwester und ich mussten einen Test machen, für welche Klasse wir geeignet sind. Der Test war eigentlich einfach. Ich musste dann direkt in die 9. Klasse. Doch ich hatte zuvor doch nur die erste Klasse besucht und nun direkt in die 9. Klasse? Ich war mir echt unsicher, ob ich das schaffe. Acht Klassen weiter … ist schon krass.

Und?

Meine Schwester hat die Schule geschafft. Ich hätte es auch weiter gemacht, hatte aber die falschen Freunde, die mich auf die schiefe Bahn brachten. Ich hab dann zu oft in der Schule gefehlt, weil meine Freunde Schule doof fanden.

Und was war die schiefe Bahn?

Die schiefe Bahn, ja, naja, wie soll ich sagen? Ein bisschen trinken und feiern und auch ein paar Drogen waren im Spiel. So Sachen eben. Bis ich im Nachhinein gemerkt habe, dass das sinnlos war. Ich hätte lieber meine Schule machen sollen.

Wann bist du aufgewacht?

Seitdem ich meine Freundin kenne, seit über zehn Jahren. Bin auf einen Schlag aufgewacht. Wir erwarten im Juni unser erstes Kind und wir wollen bald heiraten. Meine Eltern haben viel früher mit dem Kinderkriegen angefangen. Sie haben sechs. Deswegen sagen sie immer zu mir: »Ach du bist viel zu spät mit Kindern. Warum macht ihr nicht früher welche?« Dann sag ich: »Das war mal so. Heute hat man doch sein Leben noch vor sich. Man will doch ein bisschen Spaß haben.« Sechs Kinder, das schaffst du heutzutage nicht. Ist jetzt schon Stress. In mein Auto passen allerhöchstens drei. Wir Eltern sitzen vorn und die drei Kinder hinten. Ich will doch nicht mein Auto wechseln müssen.

Foto: Jan Philip Welchering

Wem gibst du die Verantwortung, dass du auf die schiefe Bahn geraten bist? Deinen Eltern? Dem Schulsystem? Der Politik?

Die Schuld hat man selbst. Ich hatte ja die Möglichkeit, meinen Schulabschluss zu machen, aber ich bin ja auf die falsche Bahn geraten. Ich hab die Schule sausen lassen, obwohl ich ganz andere Ziele hatte. Ich wollte Personenschützer werden, das war eigentlich mein Traum, so mit Anzug und Auto, Headset und … mit Waffe.

Du lachst? Aber du wolltest wirklich Bodyguard werden?

Ja, genau. Und meine damalige Lehrerin sagte auch: »Dir steht nichts im Wege. Du kannst es schaffen. Du bist sportlich, hast Fitness und Ausdauer.« Es war eigentlich mein Traum.

Wie ging es nach dem Abbruch der Schule weiter?

Ich hatte einige Jobs. Zuerst hab ich in einer Pizzafabrik gearbeitet. Über eine Zeitarbeitsfirma. Als ich ankam, war da ein Vorarbeiter. Ein Türke. Jeder normale Mensch sagt ja erst einmal »Guten Morgen!« Der aber sagte gleich: »Dein Bart ist zu lang!« Ich frag: »Was hast du an meinem Bart auszusetzen, und kannst du nicht erst einmal guten Morgen sagen?« Er bestand auf ein Bartnetz. Dann kam ein deutscher Vorarbeiter, der über dem war, und sagte zu dem Türken: »Du kannst erst einmal guten Morgen sagen und danach kann man alle anderen Dinge regeln.« Ja, genauso seh ich das auch. Dann gab es eine Treppe, oben 36 Röhren und ich musste, wenn ich sah, die Wurst geht dem Ende zu, neue Wurst reinstopfen. Dann musste ich runterrennen, wieder irgendwelche Würstchen rauflegen, dann wieder raufrennen und die Maschine betätigen. Und Zwiebelkratzen sollte ich auch noch. Ein riesiger Eimer war das.

»Alles schön und gut, ich mach diese Arbeit, weil ich keinen Schulabschluss habe, aber ich brauch mich von dem nicht demütigen lassen.«

Zino I.

Hört sich anstrengend an.

Ey Mann, ich kann doch nicht drei Arbeiten auf einmal machen und ich kann doch nicht die ganze Zeit hin und her rennen! Das ist doch wie ein Marathonlauf. Und dann stellt sich raus, dass der Türke mich nur verarscht hat. Da sagte der Deutsche: »Was ist denn hier los?« Da sagte ich: »DER sagt mir, ich soll wirklich oben die Röhren vollstopfen, dann runter rennen, rauflegen, dann wieder nach oben rennen, Knopf betätigen, wieder runter rennen, Zwiebel kratzen.« Da hat der Deutsche sich kaputtgelacht und den Türken angemotzt. Mich fragte er: »Was wollen Sie denn tun?« Sag ich: »Wenn ich ehrlich sein darf, würde ich gern oben bleiben.« Da war der Türke wirklich angepisst. Ich sagte zu dem Deutschen: »Ganz lieben Dank!« Und als ich dann oben war, um den Knopf zu drücken, da hatte ich ja nen guten Überblick, sah ich, wie ein anderer Zeitarbeiter hin und her rannte. Ich sagte dann zu dem: »Ey, warum machst du das? Lass dir das nicht gefallen. Geh mal zu dem Deutschen!« Und siehe da, der Türke hatte das gleiche Theater wieder mit einem abgezogen. Hey, das lass ich mir nicht gefallen. Alles schön und gut, ich mach diese Arbeit, weil ich keinen Schulabschluss habe, aber ich brauch mich von dem nicht demütigen lassen. Ich muss mich nicht kleinmachen lassen.

Was hast du gemacht?

Zwei Wochen war ich dort, dann hab ich gekündigt.

Danach war ich in einer Flaschenfabrik im Süden von Berlin. Ich ging dort zusammen mit meinem Bruder hin. Eigentlich haben wir uns nicht beworben, meine Cousine hat uns empfohlen. Ich sagte zu meinem Bruder: »Ey, wir haben eh nichts weiter zu tun und nichts zu verlieren, wenn es uns nicht gefällt, kündigen wir wieder.«

Wie war das dann dort?

In einer großen Lagerhalle standen wir da am Fließband, drei Paletten hinter jedem. Ich hatte beispielsweise Becks, Berliner Pilsner und Berliner Kindl auszusortieren. Wenn die an mir vorbeikamen, musste ich zupacken und sie auf die Paletten stellen. Sobald die voll waren, wurden die gebunden und abgeholt. Dann ne neue Palette. Alles leere Flaschen. Jeder seine Sorten. Das war auch wieder wie ein Marathon. Schnell, schnell, immer schneller, immer schneller. Und nach Feierabend mussten wir obendrein die Lagerhalle fegen, den Dreck zwischen den Bändern rauskratzen und wenn ein Gabelstapler mal ne Palette verloren hatte, mussten wir die ganzen Scherben auch wegmachen. Nach Feierabend! Für 6,20 Euro brutto die Stunde. Wir haben das nicht lange gemacht, dann sagte mein Bruder: »Ich höre auf!« Und ich sagte: »Ich höre auch auf!«

Hast du in manchen Momenten Wut verspürt über die Arbeit und über die Arbeitsbedingungen?

Foto: Jan Philip Welchering

Ist ja nur ein Job. Ich kann ja gehen. Nur das Geld war immer wenig. Müsste eigentlich mehr drin sein. Aber geärgert hab mich gar nicht weiter darüber. Zwei Wochen später hatten wir was Neues. Da waren wir im Lager, mit den ganzen Paketen. Diese Arbeit hat wirklich alle Arbeiten der Welt getoppt.

Wieso das?

Ich dachte echt, was ist denn hier los?! Ich hab Leute gefragt, wie lange sie das schon machen, sagen die: sieben Jahre, sechs Jahre. Du bekommst eine orangene Weste, damit die Security dich von oben sehen kann, wohin du läufst und was du einsteckst. Nach dem Arbeitstag, beim Rausgehen war Taschenkontrolle. Ich mein: »Ganz ehrlich, wenn ihr uns schon die Westen gebt, damit ihr uns beobachten könnt, dann seht ihr ja wohl auch, dass ich NICHTS einstecke.« Das ist doch dreist. So ein Misstrauen! Wenn ich klauen will, dann nicht mit Namen und Vertrag. Da geh ich woanders klauen, ohne meinen Namen anzugeben ...

Krass, und was musstest du da genau machen?

Es gab drei Aufgaben. 100 Artikel pro Stunde. Du hast einen Wagen und mit diesem Wagen rennst du durch das ganze Lager. Du tippst in den Scanner was ein, zum Beispiel, eine Unterhose. Antwort: Stockwerk 1, Lager 5, Fach 6. Dann rennst Du dorthin und guckst, ob es die Unterhose gibt. Und so musst du hundert Artikel in einer Stunde machen. Ich hab das geradeso in einer Stunde und 15 Minuten geschafft. Die meinten: »Ist ja super für den ersten Tag!« Ich sagte: »Schön und gut, aber sehen Sie nicht, wie durchgeschwitzt ich bin?« Wieder so ein Marathon. Hoch, runter, durch die ganzen Reihen. Die zweite Aufgabe war: Du stehst am Band und musst stundenlang Sachen einscannen und in den Wagen reinschmeißen. Die ganze Zeit. Abscannen, reinwerfen, abscannen, reinwerfen. Das sollst du acht Stunden machen, da wirst du doch bekloppt! Dritte Aufgabe war Klamottenfalten. Acht Leute an einem riesigen Tisch. Von oben kam ein Bagger und hat die Klamotten in die Mitte gepackt und wir sollten falten und in Tüten packen. Vernünftig, glatt, rein in die Tüte. Acht Stunden! Für dieses Geld!

Was hast du da verdient?

7,56 Euro war das. Das Schlimmste: nach vier Stunden hattest du 15 Minuten Pause. Nach vier Stunden! Ich hab den Securities gesagt: »Ich seh das wirklich nicht ein, dass ich hier wie ein Sklave behandelt werde. Nee, Schluss, Aus!« Ehrlich, die verdienen keine Ahnung was im Monat. Und für uns 7,56 brutto! Hungerlohn.

Findest du das nicht ungerecht, dass so reiche Leute andere derart ausbeuten?

Doch, manchmal schon. Wenn ich der Chef von so einem großen Laden wäre, würde ich meinen Leuten lieber mehr geben, damit die mehr Spaß an der Arbeit haben. Mir würden zehn reichen.

10.000 Euro im Monat?

Ja. Du zahlst ja nur deine Miete, ein bisschen Geld für Urlaub, deine Kleidung – reicht vollkommen. Umso besser du zu deinen Mitarbeitern bist, umso mehr machen die auch für dich. »Ey, unser Chef ist super, zahlt uns gut, gibt uns ein bisschen mehr Pause.« Die nutzen aber ihre Position aus. Die wissen, wir brauchen die Arbeit. Die denken, wenn du es nicht machst, macht es ein anderer, der die Arbeit noch mehr braucht als du. Und ich frage mich, warum die solche Positionen wie Vorarbeiter nicht Leuten geben, die vernünftig mit anderen Menschen umgehen.

Du hast also ausschließlich miese Arbeitserfahrungen in angestellten Verhältnissen oder als Zeitarbeiter gemacht?

Ja. Es war entweder Sklaverei, es gab keine Pausen oder nur wenig Geld. Deshalb hab ich gesagt: Ich arbeite für niemanden mehr. Ich werde mein eigener Chef. Und wenn das nur ne kleine Hütte ist. Hauptsache irgendwas. Hauptsache, ich bin mein eigener Chef und keiner kann mir was sagen. Dann hab ich bei meinem Vater im Dönerimbiss in Potsdam angefangen. Eines Tages sagte mein Vater, er habe keine Kraft mehr und ob ich den Laden nicht übernehmen möchte. Dann hab ich den Laden auf mich umgemeldet und war mein eigener Chef.

Und von dem Tag an ging es bergauf?

Ja, das hat Spaß gemacht. War immer Abwechslung mit den Kunden. Quatschen, reden, lachen. Nur im Sommer war es einfach zu heiß, am Döner 70 Grad. Da sagte ich irgendwann: »Vater, ich werde aufhören.« Dann haben wir den Laden abgegeben. Mit dem Geld hab ich den Späti hier in Friedrichshain aufgemacht.

Kanntest du den Berliner Stadtteil Friedrichshain vorher schon?

Nein, kannte ich nicht. Ich wusste nicht einmal, dass es Friedrichshain gibt.

Zino I. vor seinem Laden »I Love Späti« in der Gärtnerstraße, Berlin-Friedrichshain Foto: Jan Philip Welchering

Du lachst?

Schöneberg und Kreuzberg kennt man ja. Neukölln auch. Aber Friedrichshain war mir unbekannt. Als ich den Laden im Netz gefunden hab, dachte ich: »Wo ist denn das?« Hab meinen Bruder gefragt: »Ist das ein Bezirk oder was?«

In welchem Zustand hast Du den Laden übernommen?

Eigentlich war das alles Schrott. Die Regale verrostet, die Theke aus einfachem Holz. Hab alles neu geholt: Regale, Kühlschränke, alles neu. Und auch die Dielen waren alle zerbrochen. Da hinten in der Ecke war sogar ein Loch.

War das schwierig? Du musst doch vieles vorfinanzieren.

Ja, ich hab Schulden machen müssen. Ein bisschen von meinem Bruder, ein bisschen von meinen Eltern. Aber meine Eltern haben es mir gegeben, die haben Vertrauen, dass ich niemals untergehe. Und so konnte ich Ware kaufen.

»Niemand schreibt mir was vor. Niemand sagt: ›Putz mal die Ecke!‹«

Zino I.

Hast du das Gefühl mit deinem Geschäft im Leben angekommen zu sein?

Ja, schon. Ich sag jetzt nicht, dass ich komplett vom Umsatz begeistert bin, auch wegen Corona. Angekommen bin ich, weil ich mein eigener Chef bin und mir niemand irgendwas vorschreibt. Niemand sagt: »Putz mal die Ecke!« Kann ich selbst entscheiden, wann ich das machen will. Kann heute überlegen, die Regale da rüber oder dorthin zu räumen. Ich entscheide alles selbst. Das ist mir tausendmal lieber. Ja, ich fühle mich freier. Ob das ein kleiner Laden ist oder ein großer. Die Freiheit ist der große Unterschied.

Bist du stolz auf dich?

Auf jeden Fall. Ich bin stolz auf den Laden. Ich bin gern hier, quatsche gern mit den Kunden. Geld verdienen und dabei mit den Kunden quatschen; das ist schon schön. Ich hab zu meiner Freundin gesagt: »Ich bin stolz auf mich, dass ich es bis hierher geschafft habe. Ich hab meinen Führerschein, ich hab meinen deutschen Ausweis, ich hab nen Laden … obwohl ich nicht zur Schule gegangen bin, hab ich mich hochgearbeitet.« Es ist nicht viel, aber ich bin glücklich.

Warst du mal im Urlaub?

Ne, nicht so richtig. Doch an der Ostsee, schon einige Male. Aber so Urlaub mit Fliegen noch nicht. Ich trau mich nicht. Hab Flugangst.

Woher weißt du das, wenn du noch nie geflogen bist?

Ich hab Höhenangst. Einmal in meinem Leben war ich auf einer Achterbahn. Nie wieder. Ich bin eingestiegen, geht ja bis ganz nach oben. Und dann haben die angehalten, ich guck runter und denk »Nee!«. Und dann ging es mit einer Wucht runter, krass runter. Glaube mir, ich hab wirklich Höhenangst.

Welche Wünsche und Träume hast du für die Zukunft?

Naja, heiraten werde ich ja so oder so. Das ist ja auch ein Traum, ein Kind, zwei, Kinder, drei Kinder, vielleicht ein Haus. Haus, außen Wiese, mit Swimmingpool, das wäre schön.

Swimming Pool, was noch?

Dass jeder ein Auto hat. Meine Frau und ich. Was noch? Meine Träume sind bescheiden, wenn man eine kleine Familie hat, ist das doch schon was. Gutes Einkommen, mit dem man gut lebt. Dann hat man ja alles. Gute Freunde noch, mehr braucht man nicht.

Dieser Beitrag ist in taz FUTURZWEI N°17 erschienen.