: Seehofer chartert nach
FLÜCHTLINGSPOLITIK Neues Papier der CSU: Aus „Begrenzung“ der Zuwanderung wird erstmals „Steuerung“
taz | Die CSU hat einen weiteren Maßnahmekatalog zum Umgang mit Flüchtlingen vorgelegt. Titel der von Parteichef Horst Seehofer persönlich ersonnenen Charta: „Damit Deutschland Deutschland bleibt“.
Darin geht es unter anderem etwa um die Einschränkung des Familiennachzugs und der Grundsicherung für Migranten im Alter. Die Obergrenze von 200.000 Flüchtlingen im Jahr soll Eingang finden in eine gesamteuropäische Quotenregelung.
Zwei Punkte akzentuiert Seehofer stärker als bisher: So nimmt er das übliche Bekenntnis zur Bekämpfung der Fluchtursachen ernster und schließt sich ausdrücklich der Forderung von Entwicklungsminister Gerd Müller nach einem „Afrikapakt“ der EU an. Außerdem legt Seehofer diesmal einen Schwerpunkt auf den Zuzug von gewünschten Fachkräften. Im Papier taucht die Vokabel „Einwanderungssteuerungsgesetz“ statt des „Einwanderungsbegrenzungsgesetzes“ auf.
Flankiert wird die Charta von einem Maßnahmenkatalog zur konkreten Ausgestaltung der Sicherheitspolitik. Ihn stellten am Dienstag Bayerns Innenminister Joachim Herrmann vor. Demnach sollten an den Grenzen zu Italien oder Griechenland wieder Kontrollen eingeführt werden, weil diese ihrer Verpflichtung zum Austausch von Kriminalitätsdaten nicht nachkommen. Sowohl der Mörder von Freiburg als auch der von Berlin waren ihn Griechenland beziehungsweise Italien als straffällig registriert gewesen, aber die Behörden hatten diese Daten nicht nach Deutschland übermittelt. Dazu drängt er auf eine erweiterte Verbindungsdatenspeicherung. Die jetzige Gesetzeslage nimmt die E-Mail-, WhatApp- oder Skype-Kommunikation aus.
margarete moulin und Dominik Baur
Die Engagierten stärken
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen