Schwedens Polizei schaltet Server ab

Pirate Bay offline

Schwedische Behörden gehen massiv gegen die Betreiber von Filesharing-Webservern vor. Auch „The Pirate Bay“ ist offline. Mitgründer Peter Sunde ist darüber nicht traurig.

Filesharing-Vergangenheit. Doch irgendwie geht es immer weiter. Bild: dpa

STOCKHOLM/BERLIN dpa/taz | Nach einer Razzia der Polizei bei einer schwedischen Internet-Firma sind mehrere Webseiten offline, die unter anderem den Download von Filmen und Übertragungen von Sportereignissen ermöglicht haben. Neben der weltweit bekannten Tauschbörse The Pirate Bay sind nach einem Bericht von Golem.de auch andere sogenannte Tracker-Websites wie EZTV, Zoink Torrage, Istole und das Pirate-Bay-Forum Suprbay.org sowie Pastebay.net und Bayimg.com von der Aktion betroffen.

The Pirate Bay ist seit dem gestrigen Dienstag unter seiner bisherigen schwedischen und anderen bekannten Adressen nicht mehr erreichbar. Allerdings kann die Site unter einer Webadresse aus Costa Rica (//thepiratebay.cr:https://thepiratebay.cr) aufgerufen werden. Der neue Server, der offenbar nicht in Schweden steht, ist allerdings überlastet.

Nach einem Bericht der schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter wurde die Aktion von Frederick Ingblad, einem von Schwedens Sonderstaatsanwälten für Filesharing, geleitet. Die Razzia, bei der Server und andere Geräte beschlagnahmt worden seien, habe am Dienstagmorgen in der Region Stockholm stattgefunden. Um welchen Server-Betreiber es sich genau gehandelt habe, wollte die Staatsanwaltschaft nicht mitteilen.

The Pirate Bay und andere Websites ermöglichen die Verbreitung großer Dateien über den Dienst BitTorrent. Dabei wird statt der kompletten Datei zunächst lediglich eine kleine Torrent-Datei heruntergeladen: Diese ist nur wenige Kilobyte groß und enthält die Internet-Adresse eines Servers, des sogenannten Trackers. Dieser führt die Interessenten an einem bestimmten Download dann zu einem Peer-to-Peer-Netzwerk (P2P).

Sunde „kein Fan“ mehr

Einer der Gründer von Pirate Bay, Peter Sunde, hat auf seinem Blog mittlerweile die Schließung von The Pirate Bay begrüßt. „Ich bin kein Fan davon, was aus The Pirate Bay mittlerweile geworden ist.“ Die Seite sei eine Instiution geworden, mit erwartbaren Inhalten, hässlicher Aufmachung, vielen Bugs, altem Code und altem Design. Das einzige, was sich dort zuletzt getan habe: „Es gab immer mehr Werbung.“

Eigentlich sei der Plan gewesen, The Pirate Bay nach zehn Jahren zu schließen. Statt dessen habe es eine geschmacklosen 10-Jahres-Feier gegeben. Deswegen sei es nicht schade, dass die Seite nun geschlossen wurde. „Die große Lücke, die es hinterlässt, wird sicher bald von einem neuen Projekt geschlossen werden. Hoffentlich ohne Anzeigen für Pornos und Viagra.“

Die drei Gründer von The Pirate Bay wurden in Skandinavien 2009 wegen Urheberrechtsverstößen vor Gericht gestellt und verurteilt. Peter Sunde war von Ermittlern im Juni 2014 in Südschweden festgenommen worden, Gottfrid Svartholm Warg bereits 2012 in Kambodscha. Zuletzt wurde Mitbegründer Fredrik Neij in Thailand festgesetzt. The Pirate Bay war auch in der Vergangenheit Ziel von Beschlagnahme-Aktionen der Strafverfolgungsbehörden. Nach Razzien 2006 und 2009 gelang es den Betreibern allerdings immer wieder, die Site wieder ins Netz zu stellen.

Die schwedische Piratenpartei kritisierte die Razzia als Versuch, die Weitergabe von Dateien ohne Unterschied zu stoppen und zu kriminalisieren. So würden über The Pirate Bay auch die Songs des Künstlers ytcracker verbreitet, die unter einer freien Lizenz veröffentlicht wurden. Die Polizei betreibe mit erheblichen Ressourcen einen Kampf gegen digitale Urheberrechtsverletzungen, sei aber bei anderen Formen von Computerkriminalität hilflos.

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