Schwarzmalerei des Mittelstandes : Wer für die Krise zahlt
Die Wirtschaft klagt gern über die schlechte Lage. Doch dahinter stecken Interessen und eine durchsichtige Agenda.
Foto: Stefan Zeitz/imago
E ines hat zu Jahresende in der Tat noch Hochkonjunktur: die Klagen über die Lage der deutschen Wirtschaft. So meldete sich jetzt auch der Bundesverbandes der mittelständischen Wirtschaft zu Wort: Laut eigener Umfrage würden acht von zehn Mittelständlern für 2025 mit einem beschleunigten Schrumpfen der Wirtschaft rechnen. Doch so prekär die Lage auch ist, sollte nicht vergessen werden, dass manche Klagen besonders laut sind, weil dahinter eine Agenda steckt.
Die Wirtschaftsleistung ist 2024 vermutlich das zweite Mal in Folge geschrumpft, die Industrie gerät in eine strukturelle Krise, deutsche Unternehmen drohen international den Anschluss zu verlieren, und die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschlechtert sich. Ohne Zweifel ist die Konjunktur gerade nicht die beste. Dass dagegen etwas gemacht werden muss, steht außer Frage.
Trotzdem sollte etwa dem Mittelstand nicht alles geglaubt werden. So klagt er nicht nur über die angeblich schlechte Geschäftslage, sondern auch über Arbeitskräftemangel. Beides passt aber nicht zusammen. Wenn die Situation tatsächlich so schlecht wäre, würden sich die Unternehmen nicht darum sorgen, woher sie neue Angestellte bekommen. Der Eindruck drängt sich auf, dass der Lobbyverband bewusst übertreibt, um den eigenen Forderungen Nachdruck zu verleihen.
Solche Strategien sind nicht neu. Der Autobauer VW zahlte seinen Aktionären für 2023 noch eine Milliardendividende und versuchte wenige Monate später wegen der Absatzflaute Massenentlassungen, Werksschließungen sowie Lohnkürzungen durchzusetzen und die Macht von IG Metall und Betriebsrat zu brechen. Und auch die Mittelstandslobbyisten wollen eine Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik haben, die in längere und flexiblere Arbeitszeiten und Sozialabbau besteht. Schließlich forderten sie von der Ampel kurz vor ihrem Aus noch die Umsetzung von Lindners neoliberaler Giftliste.
Denn letztlich geht es in dieser wie in jeder anderen Krise auch immer um eine Frage: Wer zahlt für die Krise? Und die Wirtschaftslobby will da mal wieder die Zeche prellen und die Beschäftigten die Rechnung zahlen lassen.
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