Schon über 530 Tote: Israel verschärft Bodenoffensive

Zweit Tage nach Start der Bodenoffensive hat Israel die schweren Angriffe im Gazastreifen fortgesetzt. Israels Präsident Peres verteidigt die Offensive, Sarkozy und die EU bemühen sich um Schlichtung.

Bei neuen Angriffen wurden nach palästinensischen Angaben insgesamt 24 Zivilisten getötet, darunter 13 Kinder. Bild: dpa

GAZA dpa Zwei Tage nach Beginn der Bodenoffensive hat Israel am Montag die schweren Angriffe im Gazastreifen fortgesetzt. Bei neuen Angriffen wurden nach palästinensischen Angaben insgesamt 24 Zivilisten getötet, darunter 13 Kinder. Der Leiter der Notaufnahme im Schifa-Krankenhaus in Gaza, Haitam Dababisch, teilte mit, 13 der Toten stammten aus einer Familie im Saitun-Viertel in Gaza. Sie seien bei einem israelischen Vorstoß mit gepanzerten Fahrzeugen getötet worden. Bei den Toten handele es sich um einen Mann, vier Frauen und acht Kinder.

Bei einem weiteren Zwischenfall im Schatti-Flüchtlingslager wurde eine andere Familie tödlich getroffen. Nach palästinensischen Augenzeugenberichten wurden die Eltern und fünf Kinder im Schatti- Flüchtlingslager getötet. In ihrem Haus sei eine Granate eingeschlagen, die ein israelisches Kriegsschiff abgefeuert habe.

In Bet Hanun im nördlichen Gazastreifen wurden nach Krankenhausangaben vier weitere Zivilisten getötet, als eine Panzergranate ein Trauerzelt traf. Eine israelische Armeesprecherin in Tel Aviv teilte mit, man prüfe alle drei Vorfälle.

Nach Angaben der palästinenischen Gesundheitsbehörde beträgt die Zahl der seit Beginn der Militäroffensive am 27. Dezember getöteten Palästinenser 537. Mehr als 2500 seien verletzt worden, darunter etwa 800 schwer. Damit ist es die bisher blutigste israelische Militäroffensive in den Palästinensergebieten.

Der israelische Staatspräsident Schimon Peres verteidigte die Offensive als notwendigen Einsatz gegen die Hamas. Israel werde "nicht dem Gedanken zustimmen, dass die Hamas weiterhin (Raketen) abschießt und wir eine Waffenruhe erklären sollen", sagte Peres dem US-Sender ABC. Verteidigungsminister Ehud Barak sagte vor dem Parlament, die Offensive werde so lange andauern, bis Sicherheit und Frieden für die Bürger im südlichen Israel erreicht sei.

Unterdessen wurden die internationalen Rufe nach einem sofortigen Waffenstillstand immer lauter. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die Mitglieder des Weltsicherheitsrats auf, sich rasch auf Maßnamen zur Beendigung des Konflikts zu verständigen.

Auch die Europäer bemühten sich um eine Schlichtung des Konflikts. Eine EU-Delegation mit dem Außenbeauftragten Javier Solana, Kommissarin Benita Ferrero-Waldner und den Außenministern Tschechiens, Frankreichs und Schwedens beriet sich mit dem ägyptischen Staatschef Hosni Mubarak. Die EU sei bereit, die Grenze zwischen Ägypten und dem Gazastreifen wieder zu überwachen, sobald es einen Waffenstillstand gebe, erklärte Solana in Scharm el Scheich.

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy brach ebenfalls zu einer Vermittlungsreise in den Nahen Osten auf. Bei Treffen mit Mubarak, dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas in Ramallah und am Abend mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert in Jerusalem wollte Sarkozy auf ein Ende der Kämpfe drängen.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) rief Israel und die radikalislamische Hamas zur Verschonung der Zivilbevölkerung auf.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben