Schneegestöber Teil 4: Bremsen sollen schön die anderen

Der Volkspark Friedrichshain ist so was wie die viel befahrene Autobahn der Rodler.

Warten auf die freie Piste Bild: dpa

Stimmengewirr erfüllt die Luft am Schlittenhügel nördlich des kleinen Bunkerberges im Volkspark Friedrichshain. Immer wieder nehmen Kinder Anlauf und rutschen auf dem Bauch nach unten, so glatt ist der Hang.

Wieder hochzukommen, ist schwerer. Regelmäßig fällt ein Kind zwischen Eisplatten und blankpolierter Erde auf die Nase und segelt den Hang hinunter. Und immer wieder kommen herrenlose Schlitten vorbeigeschossen.

So viel Winter war selten. Doch wo herrschen die besten Bedingungen, um Schnee und Eis vollendet zu genießen? Die taz testet täglich Berlins Ski-, Eis- und Rodelgebiete. Heute: Die Bunkerberge im Volkspark Friedrichshain

Schneequalität: Neuschnee sehnlichst erwünscht.

Pistenqualität: Von rasant bis gemütlich - für jeden etwas dabei.

Konkurrenz: Zahlreich und gut trainiert.

Après-Ski-Potenzial: Der Park grenzt direkt an den einstigen Szenekiez Prenzlauer Berg - einige Kneipen gibts noch - und selbst am Hang wird gefeiert.

Die dreijährige Petra schleift ihre Mutter Susi durch das Getümmel. Am liebsten würde sie sich sofort bergab stürzen. „Und dann will sie auch noch immer allein fahren“, sagt die verzweifelte Mutter.

„Bahn frei!“ Marius, der mit seiner Kita-Gruppe hier ist, kräht sich von ganz oben die Kehle heiser. Er will den Weg, von dem die anderen starten, als Schanze nutzen. Seine Erzieherin versucht ihn zu stoppen, aber Marius ist schon unterwegs. Mit einem beängstigenden Krachen setzt sein Schlitten wieder auf dem Eis auf. Bernd, der Opa eines der Kinder, sagt: „So von der Schwierigkeitsstufe ist das schon ganz nett.“ Noch weiter oben, auf dem Plateau des kleinen Bunkerberges, steht ein junger Mann und schaut eine eingezäunte Schlittenstrecke hinunter, die zu einem Eiskanal voller Wurzelwerk niedergerodelt wurde. Auf halber Höhe zwingt ein zerfetzter Schlitten zum Ausweichen. Philipp (Name geändert) trainiert hier heimlich. „Ich muss am Wochenende mit meiner Freundin Schlitten fahren gehen und die ist der totale Psychopath“, sagt er. Beim Versuch einer Abfahrt wird auch das taz-Recherchemobil zum Opfer des Hanges.

Aber auf den beiden Bunkerbergen sind auch noch ausreichend verschneite Pisten versteckt: zwischen den Bäumen hindurch, von einer Serpentine des Weges auf die nächste. Die Strecken sind kurz, aber extrem schnell. Und das Mäuerchen, das die Wege begrenzt, lässt sich als steißbeinzersetzender Schanzentisch nutzen. Über weitere Wege, Schanzen und Abfahrten führt die persönliche Idealroute dann bis nach ganz unten.

Das für das Wochenende angekündigte Schneechaos hat der Volkspark Friedrichshain dringend nötig. So belebt und entsprechend abgefahren wie dieser sind wenige Schlittenhügel in der Stadt. Kein Wunder: Der Volkspark liegt zentral, ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, und dass man zum Après-Ski nicht einmal in die umliegenden Kneipen muss, beweisen zahlreiche Sekt- und Schnapsflaschen sowie ein selbstgebauter Grill direkt am Rodelhang. MARTIN SCHWARZBECK

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