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„Schaut man auf die Wahlplakate in Berlin, schaut die große Ratlosigkeit zurück“

Simone Schmollack

Alle reden von Deutschland, wir reden vom Wetter.“ Erinnern Sie sich noch? Dieser Satz prangte dick auf den Wahlplakaten der Grünen zur Bundestagswahl 1990. Damit scheiterte die Partei an der Fünfprozenthürde, im Jahr der Wiedervereinigung hatten die Menschen anderes im Sinn als heiße Sommer. Und doch war der grüne Wahlplakatslogan so Flop wie top. Denn er war so klar, dass die Wäh­ler:in­nen nicht einmal unzählige Wahlprogramm wälzen mussten, sie wussten genau, was gemeint war.

Simone Schmollack leitet das Meinungs­ressort der taz.

Schaut man indes heute auf die Wahlplakate in Berlin, schaut die große Ratlosigkeit zurück. Was meint die CDU mit „Großstadt braucht Freiraum“? Was will Volt sagen mit „Freiheit ist die schönste Stadt der Welt“? Die Parteien, die für das Abgeordnetenhaus antreten, haben offensichtlich keinen blassen Schimmer, was für Berlin wichtig ist. Offenbar wissen selbst die Profiwerber nicht mehr, wie sie das politische Irrlichtern verkaufen sollen. Dummerweise haben ausgerechnet zwei Vollpfostenparteien verständliche Botschaften: AfD und BSW. Bei „Migration braucht Grenzen“ weiß jeder, was gemeint ist. Dem wird Berlin nicht auf den Leim gehen, wetten? Und dafür braucht Berlin keines, wirklich keines all dieser Wahlplakate.