Schauspielerin Natalia Wörner über SPD-Krise: "Steinmeier halte ich für sehr fähig"

Im ZDF-Krimi "Unter anderen Umständen" (Montag, 20.15 Uhr) muss Natalia Wörner einen Mord an einem Lehrer aufklären. Im wahren Leben sorgt sie sich um die SPD.

"Sie kommt mir vor wie meine Schwester": Natalia Wörner als Kommissarin Jana Winter Bild: Christine Schroeder/ ZDF

taz: Frau Wörner, wie war Ihre Reise ins Goldene Dreieck, in das Grenzgebiet zwischen Laos, Thailand und Birma?

Natalia Wörner: Sie war sehr bewegend. Ich war im August mit der Kindernothilfe dort und habe Waisenheime besucht. Menschenhandel und Kinderprostitution sind in dieser Region ein riesiges Problem. Hier muss etwas Konkretes getan werden: Hilfe heißt für mich nicht, darüber zu reden, sondern tätig zu werden. Die Kindernothilfe schätze ich sehr in der Auswahl ihrer Projekte, weil sie Hand und Fuß haben und daher unterstütze ich sie gerne. Bewegend war die Reise für mich auch noch aus einem zweiten Grund. Es war eine Reise in meine eigene Geschichte, in das Land, in dem ich den Tsunami miterlebt habe.

taz: Sie haben sich vor Ihrer Reise mit einer Traumaexpertin getroffen, die für die Kindernothilfe als Beraterin tätig ist. Neben der Traumahilfe für betroffene Kinder konnten Sie mit ihr auch über ihre eigenen Tsunami-Erfahrungen sprechen. Hat Ihnen das geholfen?

Natalia Wörner: Ich habe bei mir selbst festgestellt, dass ich Erinnerungslücken habe. Das ist ein klares Zeichen eines Traumas. Ich habe mich vorher noch nie mit einem Experten darüber unterhalten. Viele kennen ja Situationen, in denen die Seele Achterbahnfahrt fährt. Sei es ein Übergriff oder ein Unfall. Bei mir war es eben das Erlebnis des Tsunamis. Es gibt viele erstaunliche Einblicke, wenn man sich von jemandem erklären lässt, wie das Gehirn ein solches Erlebnis verarbeitet. Ich war in Bangkok und ich habe festgestellt, dass ich z.B. Orte nicht wieder erkenne. Wenn ich jedoch die Kinder erlebe, die vom Tsunami traumatisiert sind und auf ihre Art immer noch damit zu kämpfen haben, dann halte ich mich lieber stark zurück. Denn bei den Kindern geht es um noch ganz andere Schichten der Verarbeitung als bei mir.

taz: Den ersten Film von "Unter anderen Umständen" haben Sie schwanger gedreht. Beim zweiten und dritten Teil spielte Ihr Sohn Jacob-Lee mit. Wie ist es für Ihren Sohn, der heute zweineinhalb ist, mit der Mama vor der Kamera zu stehen?

Natalia Wörner: Für Kinder ist ein Drehort wie ein großer Spielplatz. Es ist ja auch alles relativ harmlos, was er da spielt: Er bläst Kerzen aus und isst Kuchen. Dennoch habe ich ein ambivalentes Verhältnis dazu. Wenn ich es sehe, werde ich sentimental und finde es schön, dass er da mitmacht und buchstäblich auch mit dem Film mitwächst. Auf der anderen Seite frage ich mich, ob ich will, dass mein Kind so sehr mit meiner Arbeit konfrontiert wird.

taz: Sie spielen in diesem Teil des ZDF-Films wieder die Kommissarin Jana Winter, das hat schon fast Kult-Charakter. Wie nah ist Ihnen die Rolle inzwischen geworden?

Natalia Wörner: Ich finde Jana Winter sehr intuitiv und zum Teil auch irrational, sie schießt manchmal über das Ziel hinaus. Auf Schleswig und die Dreharbeiten freue ich mich immer total. Jana Winter kommt mir inzwischen so vor wie meine Schwester, die aber auf dem Land lebt. Es ist im Vergleich zu anderen Filmen wirklich was anderes, wenn einen eine Figur schon so lange begleitet. Sie ist mir sehr nah.

taz: Sie arbeiten jetzt schon lange für das ZDF, die privaten Fernehsender haben Sie mal als "künstlerisch kalt" bezeichnet. Wo liegen für Sie die Unterschiede zwischen den öffentlich-rechtlichen und den privaten Sendern?

Natalia Wörner: Ich bin nicht jemand, die ein Drehbuch bekommt und gleich fragt: Welcher Sender ist das? Sondern ich gucke auf die Stoffe und entscheide, ob mich das interessiert und wie es umgesetzt wird. Und mit diesem Kriterium lande ich sehr oft beim ZDF. Bei den Privaten gefällt mir das ganze Spekulative und das Überhöhte an den Geschichten nicht. Oft sind das irgendwelche mystischen Nibelungen in Höhlen. Klar, es gibt auch gute Filme bei den Privaten. Doch leider jagt alle drei Monate jemand eine neue dramaturgische Sau durch das Dorf. In anderen Worten: Sie haben wenig personelle Kontinuität und keine gute Struktur. Das ist bei den Öffentlich-Rechtlichen anders.

taz: Sie gelten als politisch und gesellschaftlich interessierte Frau und man sagt Ihnen nach, dass Sie Smalltalk und Oberflächlichkeiten nicht mögen würden. Welches Thema beschäftigt Sie denn gerade besonders?

Natalia Wörner: Ich verfolge natürlich den US-Wahlkampf und bibbere mit allen Demokraten. Hier in Deutschland ist es das Unglück über die SPD, welches mich beschäftigt. Ich würde mir wünschen, dass es die Partei wieder schafft sich zu stabilisieren und sich zu regenerieren, denn sonst war es das irgendwie mit dieser Volkspartei. Herrn Steinmeier halte ich für einen sehr fähigen Politiker mit großem Zukunftspotential, dennoch vermute ich, dass Frau Merkel nächstes Jahr bei den Wahlen das Rennen machen wird.

Interview: Anja Hübner

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