Schalke gegen Saint-Germain: Kuranyi schießt sich aus Depression

Schalke bezwingt ein Pariser B-Team - vor allem dank des umstrittenen Angreifers Kevin Kuranyi. Der trifft aus 18 Metern zum 2:0.

Kuranyi kann für einen Moment den Hickhack um seinen Rausschmiss aus der DFB-Elf vergessen. Bild: dpa

GELSENKIRCHEN taz Kevin Kuranyi hat einen Lauf. Wie kaum ein anderer Fußballer erzeugt der Schalker Stürmer derzeit denkwürdige Momente, und diese Serie setzte er auch bei Schalkes 3:1-Sieg gegen Paris Saint-Germain zum Auftakt der Gruppenphase des Uefa-Cups fort. In der 39. Minute drosch der umstrittene Spieler einen Ball aus 18 Metern zum 2:0 in den Winkel, es war ein herrliches Tor und die Arena brüllte wie nach einem Siegtreffer in der Nachspielzeit. Es war ein gigantischer Augenblick der Erleichterung - für den Spieler, aber auch für die Schalker Fans, die sich natürlich um die Offensivkraft ihrer Mannschaft sorgten. Ersatz gibt es für Kuranyi nicht im Kader, sie brauchen den Stürmer.

Zehn Tage nach dem peinlichen Ende seiner Nationalmannschaftskarriere und einer Phase der Depression hat der 26-Jährige schnell zurück zu seiner Form gefunden. Denn neben dem Tor bereitete er Altintops 3:0 mit einem wunderbaren Doppelpass vor (69.). "Er hatte eine ganz andere Körpersprache", meinte Manager Müller und Trainer Fred Rutten erklärte: "Kevin hat nicht nur das Tor geschossen, er hat auch fußballerisch seine Arbeit gut gemacht." Die Zuschauer feierten den Gebeutelten wohlwollend, Pfiffe waren nicht zu vernehmen. "Wir müssen wachsen, nicht nur die Mannschaft auch die Fans", meinte Jermaine Jones. Offenbar ist das geschehen. Kuranyi selbst ließ seinem starken Spiel auf dem Platz dann noch einen bemerkenswerten Auftritt in der Mixed Zone folgen. Er sagte im Vorbeigehen nur einen einzigen Satz: "Es geht mir besser als gestern und schlechter als morgen."

Dann war er verschwunden und ließ ein verdattertes Auditorium zurück. Offenbar wähnt er sich in einem Prozess der kontinuierlichen Genesung, und da dürfte es ihm auch gut tun, dass Michael Ballack in seinem legendären Interview die Verantwortlichen der Nationalmannschaft für ihren Umgang mit Kuranyi kritisierte. Zudem erwägt der VfB Stuttgart offenbar, den verlorenen Sohn zurück nach Schwaben zu holen. Es gibt also wieder Sonnenstrahlen im Fußballerleben des Kevin Kuranyi, Rutten war deshalb überhaupt nicht erstaunt über den starken Auftritt seines Spielers: "Er ist einfach gut in Form, war schon gegen Wolfsburg stark, und so ein schlechtes Spiel wie das in Hamburg hätte es auch ohne die Ereignisse in der Nationalmannschaft geben können." Wie nachhaltig Kuranyis Renaissance ist, muss sich aber erst noch zeigen. Denn die Pariser waren an diesem Abend kein ebenbürtiger Gegner gewesen. Bis auf Torhüter Mikael Landreau und Linksverteidiger Sylvain Armand schonte Trainer Paul Le Guen alle Stammspieler für das Duell mit dem Erzfeind Marseille am Sonntag. Claude Makelele und Guillaume Horaud waren gar nicht erst mit nach Gelsenkirchen genommen, stattdessen spielten Fußballer wie Granddi Ngoyi, Youssouf Mulumbu, oder Larrys Mabiala die in der laufenden Saison noch keine Minute für die Pariser im Einsatz gewesen sind. Mabiala war es auch, der die Schalker mit einem Eigentor früh in Führung gebracht hatte (12.)

Die seltsame Maßnahme ist eine Folge des Uefa-Cup-Modus. Weil ein dritter Platz unter fünf Teams reicht, hat man mit zwei Heimsiegen gute Chancen, die K.o.-Runde zu erreichen, insofern muss der gute sportliche Eindruck dieses Schalker Sieges erst noch gegen einen Gegner bestätigt werden, der auch wirklich gewinnen will. So stark die Offensive war, hinten wirkten sie überaus unsicher. Allein Kezman hatte vier gute Gelegenheiten. Aber an einem Abend, der einem Stürmer gehören sollte, ist das wohl nur eine Marginalie.

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