Sandy Brown: Loredana mit den Scherenarmen
Wer mit Beatrice Marchis Kunst vertraut ist, kennt Loredana vielleicht schon, jene melancholische, leicht unbeholfene Frau, eine von mehreren Alter Egos der Künstlerin. Auch in „Happy Yellowing“, der aktuellen Ausstellung Marchis bei Sandy Brown, erscheint Loredana nicht gerade in bester Verfassung. Schon in früheren Versionen wuchsen ihr Krebsscheren anstelle von Armen aus dem Rumpf, nun ist sie offenbar ganz zum Scampi mutiert und ruht wie nach einer etwas zu intensiven Massageeinheit regungslos auf der Kunstlederliege. Mit der sie umgebenden Malerei scheint sie nichts zu tun haben wollen: Von lieblichen Landschaften, die Marchi bei Monet und Segantini ausgeborgt hat, lachen Nymphen mit blinkendem Zahnschmuck und zeigen sich in Posen, entlehnt aus einer unsäglich sexistischen, italienischen Reality-TV-Show aus den 1990ern namens „Non è la Rai“. Ein wenig irritierend ist das alles durchaus, gerade deshalb aber auch so interessant, ist doch der Kitsch, in den Marchis Bilder vermeintlich abzudriften drohen, gespeist von einer vielschichtigen Auseinandersetzung der Künstlerin mit Genderrollen und Kunstgeschichte. (bsh)
Bis 18. 4., Do.–Sa. 13–18 Uhr, Goebenstr. 7
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen