Romney steigt US-Vorwahlkampf aus: McCain praktisch nominiert

Ernüchtert vom großen Vorsprung McCains gibt Mitt Romney seine Kandidatur auf. Er hatte sogar mehr Stimmen als der dritte Republikaner im Rennen, Huckabee, der noch zaudert.

Sag zum Abschied leise "Good bye": Mitt Romney verlässt mit seiner Frau die Wahlkampfbühne. Bild: reuters

WASHINGTON dpa/taz Nach dem Ausstieg seines Rivalen Mitt Romney (60) steht die Kandidatur des 71-jährigen Republikaners John McCain bei der US-Präsidentenwahl im November so gut wie fest. Nach seinem enttäuschenden Abschneiden bei den parteiinternen Abstimmungen am "Super-Dienstag" erklärte der Ex-Gouverneur und Multimillionär Romney am Donnerstag sein Ausscheiden aus dem Rennen um das Weiße Haus. "Ich trete für unsere Partei zur Seite", erklärte er. Neben McCain, der nach seinem Erfolg vom Dienstag als klarer landesweiter Favorit gilt, ist jetzt noch der religiös-orientierte Mike Huckabee im Rennen, dem jedoch landesweit praktisch keine Chance eingeräumt wird.

McCain, der am "Super-Tuesday" die meisten und die wichtigsten Bundesstaaten gewinnen konnte, sagte in Washington, er würde eine Nominierung durch seine Partei "demütig" annehmen. Zugleich bekräftigte er mit Blick auf parteiinterne Kritiker seine konservative Politik. Er werde im Irak nicht weichen und die von Präsident George W. Bush duchgesetzten Steuererleichterungen festschreiben. "Ich stehe zu meinen konservativen Überzeugungen", sagte McCain. Kritiker werfen ihm eine zu lasche Haltung in der Einwanderungspolitik vor. Vielen Republikanern gilt er als zu liberal.

McCain etwa 550 Delegiertenstimmen mehr als Romney. Romney habe einsehen müssen, dass es rechnerisch praktisch so gut wie unmöglich für ihn sei, sich doch noch die Nominierung zu sichern. "Ich ziehe mich zurück, weil ich Amerika liebe", sagte Romney, der zugleich die konservativen der Partei beschwor. "Wir werden uns auch nicht entmutigen lasen, wenn uns andere belächeln." In US-Medien wurde Huckabee, der laut landesweiten Umfragen deutlich hinten liegt, bereits als möglicher Kandidat für das Amt des Vize-Präsidenten gehandelt.

Die Entscheidung Romneys dürfte nach Ansicht von Kommentatoren die Demokraten zusätzlich unter Druck setzen. Während die Republikaner sich jetzt praktisch schon auf den politischen Gegner konzentrieren können, laufen die demokratischen Bewerber Hillary Clinton und ihr schwarzer Konkurrent Barack Obama Gefahr, sich selbst zu zerfleischen, meinten Kommentatoren. Andererseits werden sie stärker im Rampenlicht stehen als die Republikaner - was auch helfen könnte.

Bei Hillary Clinton scheint allerdings das Geld knapp geworden zu sein: Die frühere First Lady musste nach eigenen Angaben im Januar fünf Millionen Dollar (3,4 Millionen Euro) aus ihrer eigenen Kasse bezahlen, um den Vorwahlkampf zu finanzieren. Ihr Rivale Obama konnte allein im Januar weitere 32 Millionen Dollar Spenden einnehmen, Clinton lediglich 13 Millionen Dollar.

Allerdings sorgte die Marathon-Abstimmung am "Super-Dienstag" in 24 der 50 Bundesstaaten nach US-Medienberichten für einen neuen Einnahme-Schub. Dem schwarzen Senator flossen demnach allein seit dem 5. Februar weitere 7,5 Millionen Dollar zu. Aber auch aus der Umgebung Clintons verlautete, der Spendenstrom sei praktisch über Nacht gewachsen. Ihr Wahlkampflager rechnet deshalb damit, dass die Senatorin den Vorschuss aus ihrem Privatvermögen bald wieder zurückerhalte, meldete der US-Fernsehsender CNN. Den Angaben zufolge sammelte Clinton insgesamt bislang rund 118 Millionen Dollar an Spenden ein, ihr Konkurrent rund 104 Millionen.

Clinton und Obama sind aus den demokratischen Abstimmungen über die Spitzenkandidatur für die Präsidentschaftswahl am Dienstag praktisch Kopf-an-Kopf hervorgegangen. Berechnungen des Obama-Lagers zufolge wird der Senator aus Illinois seine Rivalin nach der Verteilung aller zu vergebenden Delegierten nach dem "Super- Dienstag" sogar überflügeln: Danach komme er unterm Strich auf 910 Stimmen, Clinton auf 882. Wahlstrategen der New Yorker Senatorin erwarten indes, dass der Unterschied zwischen beiden "im einstelligen Bereich" liegen werde, berichtete die Washington Post. Eine exakte Hochrechnung gab es aber zunächst nicht. Für einen Sieg bei dem demokratischen Nominierungsparteitag im Sommer braucht ein Bewerber mindestens 2025 der 4049 Delegiertenstimmen.

Die nächste Runde der Vorwahlen findet am Samstag bei den Demokraten und Republikanern in den Bundesstaaten Louisiana und Washington statt. Als wichtiger gelten jedoch die Vorwahlen in Virginia, Maryland und der Hauptstadt Washington DC am darauffolgenden Dienstag. Um viele Delegierte geht es danach am 4. März bei weiteren Abstimmungen in Texas und Ohio. Die US-Präsidentenwahl findet am 4. November statt.

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