: Roma in Tübingen verschieben ihren Hungerstreik
Tübingen (taz) — Das baden-württembergische Innenminsterium hat am Wochenende nun doch noch auf die Aktion der 270 Roma reagiert, die seit Heiligabend in der Tübinger Stiftskirche Schutz vor drohender Abschiebung gesucht haben. In einem persönlichen Schreiben an den Vorsitzenden der „Roma-Union Baden-Württemberg“, Jasar Demirov, fordert Innenminister Schlee die Familien auf, die Kirche unverzüglich zu verlassen und ihre Personalien anzugeben. Nur dann könne geprüft werden, ob sich in Einzelfällen neue Aspekte ergeben hätten, die eine Abschiebung nicht mehr erlauben würde. „Auf keinen Fall“, so Schlee, „kann es für Roma ein generelles Bleiberecht geben.“ Die Roma-Union wertet die Aussagen des Innenministers als vages Signal für mögliche Gespräche und hat daher den für gesten angekündigten Hungerstreik bis auf weiteres verschoben.
Unterdessen bemühen sich die Landtagsfraktionen von SPD, FDP und Grünen um die Durchsetzung des jüngst von Demirov unterbreiteten Vorschlages, eine interfraktionelle Kommission in ihre Herkunftsländer zu entsenden, um sich über das Ausmaß der Diskriminierung und Verfolgung zu überzeugen. Mathias Richter
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen