: Robinson hilft Schattenkindern
■ Projekt Ostberliner Frauen sucht Sponsoren, die sozial benachteiligten Kindern Ferien finanzieren / Mehr als drei ABM-Stellen genehmigt das Arbeitsamt nicht
Treptow. „Erschreckend ist, daß jedes dritte Kind in unserem Land sozusagen im Regen steht, weil es aus sozial schwachen Verhältnissen kommt.“ Gisela Zahlbaum, ehemals Redakteurin beim Kinderfernsehen der DDR, will sich mit dieser Ungerechtigkeit nicht abfinden. Mit 13 anderen ehemaligen Mitarbeiterinnen des DFF gründete sie in Treptow den Verein „Robinson“, als dessen Geschäftsführerin sie nun amtiert. Das Projekt „Robinson“ will Kindern, die „im Regen stehen“, gratis Ferienabenteuer bieten, damit auch sie in ihrer freien Zeit „auftanken“ können.
Seit Mitte vorigen Jahres organisieren drei Frauen im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen Sponsoren für das bisher einmalige Projekt in Berlin. Zudem wurden zu Sozial- und Jugendämtern Verbindungen aufgenommen, um letztlich wirklich Bedürftigen Ferien zu schenken. Enge Kontakte bestehen zum Kindernotdienst in Kreuzberg. Der Verein veranschlagt rund 500 Mark pro Kind für zwei Ferienwochen. „Die Summe hat oftmals schon der Bäcker von nebenan übrig, wenn er von den Absichten des Vereins erfährt“, berichtet Inge Trisch, die die Autorin unter anderem vom Sandmännchen, dem Urvieh und Ellentie war. Aber auch Auto- und Kaufhäuser sowie kleinere Gaststätten konnten gewonnen werden, so daß schon ein paar tausend Mark auf dem Spendenkonto liegen.
Gewalt gegen Kinder, Drogensucht und Kinderkriminalität seien nicht mehr zu übersehende Tatsachen, meint Mitinitiatorin Erika Haller, die ebenfalls 30 Jahre beim Kinderfernsehen tätig war. Viele würden zwar darüber reden, doch es müsse diesen beunruhigenden Tendenzen etwas entgegengesetzt werden. „Robinson“ will neun- bis 13jährigen Mädchen und Jungen, deren Eltern arbeitslos sind oder die nur Mutter oder Vater haben, eine Chance geben, wenigstens zeitweilig aus den sozialen Nöten und Turbulenzen ihrer Familien herauszukommen. Bei Spaß und Spiel sollen sie ihre „Seele baumeln lassen“. Der Ferienaufenthalt könne auch Anregungen vermitteln, so Erika Haller, um besser im Schul- und Familienalltag zurechtzukommen.
In den diesjährigen Sommerferien werden etwa 50 Kinder in den Genuß geschenkter Ferien kommen. Dabei kooperieren die „Robinson“-Frauen mit erfahrenen Verbänden und öffentlichen Trägern wie der „Naturfreundejugend Deutschlands“ und dem Jugendbund „Deutscher Regenbogen“. Diese organisieren seit Jahren Ferienaufenthalte von der Ostsee bis in die Alpen.
Die Schwierigkeit bestehe nicht darin, Sponsoren zu finden, betont Erika Haller. Vielmehr sei der Organisationsaufwand das Problem. Dieser sei derart hoch, daß er nicht nebenbei zu bewältigen ist. Die drei ABM-Stellen gehen jedoch im März zu Ende, neue wurden vom Arbeitsamt abgelehnt, obwohl Bundesjugendministerin Angela Merkel (CDU) das Projekt befürworte. Inzwischen hat sich das Anliegen von „Robinson“ herumgesprochen, vor allem alleinerziehende Mütter finden von selbst den Weg in die Treptower Moosdorfstraße 2.
Die Bezirksverordnetenversammlung von Treptow unterstützt den in ihrem Bezirk beheimateten Verein, dessen Aktivitäten natürlich nicht auf die Bezirksgrenzen beschränkt sind. Bürgermeister Michael Brückner (SPD) hat die Schirmherrschaft für das am 12. Februar im Freizeit- und Erholungszentrum in der Wuhlheide stattfindende erste „Inselfest“ von „Robinson“ übernommen. Dort wird natürlich auch Robinsons Freund Freitag, übrigens in Gestalt von „Ellentie“-Darstellerin Ellen Tiedtke, mit von der Partie sein. ADN/taz
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