Riesenslalom: Malheur auf dem Zielhang

Maria Riesch scheidet nach einer guten Leistung im ersten Durchgang aus. Dank Platz acht von Kathrin Hölzl war der Saisonstart der Frauen dennoch vielversprechend.

Licht und Schatten - so auch die Ergebnisse der deutschen Alpinen zu Saisonbeginn. Bild: reuters

Maria Riesch hatte es sich in den vergangen zwei Jahren angewöhnt, die positive Sicht der Dinge herauszustreichen. Aber am Samstag dauert es eine Weile, bis ihr dies gelang. Es bedurfte schon ein paar aufmunternder Worte des Trainers. Sie solle nur an diesen ersten Durchgang beim alpinen Saisonauftakt in Sölden denken, nicht an das Malheur im Finale, riet ihr Christian Schwaiger.

Die Aussichten im Frauen-Riesenslalom sind ohnehin nach einigen Jahren des Darbens mittlerweile wieder ganz gut, aber mit einer überraschenden Vorstellung der Frontfrau im deutschen Skirennsport waren sie kurzzeitig sogar glänzend gewesen. Die 22-Jährige vom SC Partenkirchen hätte der alpinen Abteilung des finanziell klammen Deutschen Skiverbandes im ersten Rennen des Winters zu dem sportlich dringend benötigten Schub verhelfen können. Unerwartet weit vorne war sie im ersten Riesenslalom-Durchgang platziert gewesen, als Fünfte nicht weit entfernt von einem Podiumsplatz, ein paar Ränge hinter ihr die höher eingeschätzte Kathrin Hölzl, und auch die 18-jährige Viktoria Rebensburg hat sich bei ihrem Debüt auf dem sehr steilen Hang ganz gut geschlagen. "Eine extreme Überraschung", fand Maria Riesch ihren Start in den Winter, dachte aber gleichzeitig daran, dass ihr Ähnliches passieren könnte wie beim Auftakt vor drei Jahren. "Da war ich auch Fünfte nach dem ersten Lauf und bin noch weit zurückgefallen." Dieses Mal ist sie ausgeschieden, zehn Sekunden vor dem Ziel, ausgerutscht, an einem Tor, "an dem ich mir gedacht habe, jetzt geb ich noch mal Gas". Zu viel, offensichtlich.

Felix Neureuther hätte einen Tag später dagegen mehr attackieren müssen. "Ich bin zu zaghaft gefahren", gab der Slalom-Spezialist aus Garmisch-Partenkirchen zu, nachdem er um zwei Zehntelsekunden die Teilnahme am zweiten Durchgang verpasst hatte. Sieger war Gesamtweltcup-Gewinner und Weltmeister Aksel-Lund Svindal. Der Norweger gewann vor Ted Ligety aus den USA und dem Finnen Kalle Palander. Neureuther fängt in der zweiten technischen Disziplin wieder von vorne an, in der vergangenen Saison hatte er sich kurzzeitig unter die besten 30 in der Welt geschoben, fiel aber bald wieder zurück.

Darüber muss sich Maria Riesch keine Sorgen machen, sie hatte nach ihrem Comeback in allen vier Disziplinen die Zugehörigkeit im Kreis der Besten behauptet. Sie will in diesem Jahr aber wieder mitmischen im Kampf um die Weltcup-Siege, sowohl in den schnellen Disziplinen als auch im Riesenslalom - wenn sie durchkommt. Der achte Platz von Kathrin Hölzl erfuhr angesichts des Pechs von Riesch nicht die verdiente Anerkennung - wieder einmal. Die 23 Jahre alte Berchtesgadenerin, die sich in der vergangenen Saison immerhin auf den fünften Platz der Riesenslalom-Wertung vorgeschoben hatte, steht oft im Schatten ihrer Teamkolleginnen. Einmal ist es Riesch, dann Viktoria Rebensburg, die ihr bei der WM in Are im Februar die Schau gestohlen hatte. Die damals erst 17-Jährige war derart unbekümmert nach vorne geprescht, dass Kathrin Hölzl - als Sechste zwei Plätze besser postiert - nur eine Randnotiz wert war. Dieses Mal landete Rebensburg auf dem 18. Rang.

Hölzl hatte als einer der wenigen der besten Zehn nach dem ersten Durchgang ihren Platz im Finale halten können. Die immer ruppiger werdende Piste und die wegen des Schattens schlechteren Sichtverhältnisse haben die Schnellsten benachteiligt. Nur Denise Karbon schaffte es, sich zu verbessern - vom zweiten Platz ganz nach oben. Die Italienerin gewann vor Olympiasiegerin Julia Mancuso aus den USA und der Österreicherin Kathrin Zettel.

"Ich habe mir zwar was erhofft, denn eigentlich liegt mir dieser Hang hier, aber fürs erste Rennen passt das schon", sagt Hölzl gewohnt zurückhaltend. Ihr ist es zu verdanken, dass der Respekt der Konkurrenz vor der deutschen Riesenslalom-Mannschaft wieder gewachsen ist. Maria Riesch hat am Samstag die Hoffnungen geweckt, dass sie demnächst einen größeren Anteil daran haben könnte.

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