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Ralf SotscheckDinosaurier mit Schärpen

Nordirlands Freilichtmuseum ist vorigen Samstag auf Befehl des britischen Nordirland-Ministers Chris Bryant geschlossen worden. Bis dahin konnte man in der Kleinstadt Portadown zwei Wochen lang im Fernsehen und in den sozialen Medien rund um die Uhr ein Spektakel beobachten, das an längst vergangene Zeiten erinnerte.

Ermöglicht hat das die Kommission, die für Paraden und Märsche zuständig ist. Seit 1998 hatte der protestantische Oranier-Orden Jahr für Jahr beantragt, durch die katholische Garvaghy Road in Portadown marschieren zu dürfen. Stets hatte die Kommission das abgelehnt. Aus gutem Grund, zuvor war es bei den provozierenden Märschen immer wieder zu Scharmützeln gekommen, bei denen es auch Tote gab.

Dieses Mal erteilte die Kommission dem Orden jedoch die Genehmigung – zum Entsetzen der Anwohner, aber auch der Polizei, die Stress befürchtete. Den gab es dann auch. Die Anwohner – unterstützt von Susan Sarandon, Noel Gallagher, Paul Weller, Irvine Welsh, Ken Loach und Jim Sheridan – blockierten die Straße zwei Wochen lang, denn die Parade ist keine harmlose religiöse und kulturelle Veranstaltung, sondern der Versuch, die protestantische Vormachtstellung in Nordirland aufleben zu lassen.

Gegründet wurde der Orden 1795 in Portadown. Benannt ist er nach Wilhelm von Oranien, der seinen katholischen Widersacher und Schwiegervater Jakob II. in der Schlacht am Boyne besiegte und dadurch die protestantische Thronfolge in Großbritannien sicherte. Die erste Oranier-Parade fand am 12. Juli 1796 statt, dem Jahrestag der Schlacht. Insgesamt veranstaltet der Orden in Nordirland rund 3.000 Paraden im Jahr.

Der Männerbund ist streng antikatholisch, die Mitglieder dürfen keine katholische Kirche betreten oder gar eine Katholikin heiraten, aber trotzdem wollen sie unbedingt durch das katholische Viertel marschieren. Es sei ihr historisches Recht, argumentieren sie: Die Parade finde seit 1807 statt. Damals war die Garvaghy Road freilich nur eine Wiese.

Die Paraden sind bizarr. Kapellen mit riesigen Trommeln und Flöten ziehen lautstark durch die Straßen, gefolgt von schwarz gekleideten Oraniern mit Bowler-Hüten und orangefarbigen Schärpen. Wer zu alt zum Marschieren ist, wird in Limousinen chauffiert. Manchmal sehen diese Herrschaften aus, als ob sie verstorben und wieder ausgebuddelt worden seien. Wie lange sie schon tot sind, kann man vermutlich an der Öffnung der Autoscheiben ablesen: Je weiter sie heruntergekurbelt sind, desto stärker der Verwesungsgeruch.

Vielleicht wird das Museum der Schärpen-Dinosaurier aber wiedereröffnet. Die Oranier haben eine Überprüfung des Verbots durch Nordirland-Minister Chris Bryant beantragt. Am heutigen Montag will das Gericht darüber entscheiden.