: Proteste gegen Razzia in der Colonia Dignidad
■ Chilenische Polizisten entdecken weiteren Fluchttunnel und eine Überwachungsanlage
Parral (AFP) – In der Deutschensiedlung Colonia Dignidad im Süden Chiles haben am Samstag abend etwa 50 größtenteils ältere deutsche Siedler gegen die Durchsuchung des Geländes durch chilenische Polizeikräfte demonstriert. Ein Polizeisprecher bestätigte unterdessen, daß während der Suche nach dem flüchtigen Sektenführer Paul Schäfer ein weiterer geheimer Tunnel auf dem Gelände entdeckt wurde. Er gleiche den unterirdischen Gängen, die bei früheren Razzien gefunden wurden. Außerdem spürten die Sicherheitskräfte, die das Siedlungsgelände seit Dienstag durchsuchen, den Angaben zufolge ein Videoüberwachungssystem auf, mit dem die Sektenführung sämtliche Vorgänge in der „Colonia Dignidad“ überwachen kann.
Bereits am Mittag hatten sich etwa 30 Menschen vor der in der Nähe der Stadt Parral gelegenen Siedlung zu einer Protestkundgebung eingefunden. Sie bezeichneten sich als „Freunde der Colonia Dignidad“ aus der Umgebung von Parral, die früher im Krankenhaus der Siedlung behandelt worden seien.
Die Anwälte der Deutschensiedlung kritisierten die Polizeiaktion als „illegal“ und legten Einspruch bei Gericht ein. Die Siedlung, die mittlerweile „Villa Baviera“ genannt wird, war seit Mitte 1997 bereits zehnmal erfolglos nach Schäfer durchsucht worden. Dem 77jährigen Sektenführer werden Vergewaltigung Minderjähriger und Mitwirkung bei der Folterung und Ermordung von Gegnern der Militärdiktatur unter General Augusto Pinochet vorgeworfen. Außerdem soll er Steuern hinterzogen haben. Auf dem Gelände der 1961 von Schäfer gegründeten Siedlung leben derzeit etwa 300 Menschen.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen